Cold War Kids Robbers & Cowards

Vor gar nicht allzu langer Zeit arbeitete ich nebenher in einer Bar. Spelunke, so könnte man das aber auch nennen. Oder Absturzkneipe, die Bezeichnungen für diese Art von Gaststätten verlaufen jedenfalls ebenso fließend wie der Alkohol, den ich dort oft und regelmäßig dem Publikum zu reichen hatte. Paradox wird es dann, wenn man hinter dem Tresen stehend Nathan Willett aus den Boxen schallend zuhört.
Er, singend: »I promised to my wife and children, I’d never touch a drink as long as I live!« Ich, wissend: »Keiner der Gäste hört a) zu und b) wenn doch, dann den Kern der Zeilen oder des Songs an sich nicht verstehend.«
Je voller die Gläser, je leerer die Blicke, desto trauriger wirkt Willetts Abrechnung mit dem trinkenden Vater, der an steuerlich absetzbare Hilfsorganisationen spendet, zwei Wochen Urlaub im Jahr hat und auf die monatliche Gewissheit – den Gehaltsscheck – wartet.
Und schon nach diesem ersten Song wird klar, dass man hier eine Band vor sich hat, die tatsächlich etwas, Episoden ihres Lebens nämlich, zu erzählen hat. Die aber vor allem der Euphorie und Hoffnung immer wieder den Riegel vorzuschieben scheint. »Robbers & Cowards« ist voll von Geschichten über Zweifel und deren Überwindung, nur anhören kann man Willett Letzteres eher selten, speist sich die Wirkung seiner Texte doch nun mal aus der Brüchigkeit seiner Stimme. So kann man dieses Album ob seiner Verquerheit und Kauzigkeit, seiner eher süßen Momente von Clap Your Hands Say Yeah (»Robbers«) oder der Herbe von Two Gallants (»St. John«) schätzen lernen. Und über Trinkerläden lernt man daraus, dass an diesen Orten stimmungsvolle Trinkermusik eben besser ankommt als erdiger Indie mit Klaviatur und Trinkerstimmung.

LABEL: V2 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 02.02.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.