»Eine Welt, die mit einem Lächeln untergeht«

Er rüttelt nicht nur am Thron von prominenten Musikvideoregisseuren, allmählich bekommt man den Eindruck, der schwedische Filmemacher Andreas Nilsson habe bereits seinen eigenen Thron bestiegen. Nach beeindruckenden Arbeiten für The Knife, Fever Ray, José González und Röyksopp hat Nilsson nun einen zehnminütigen Kurzfilm mit madorierenden Clowns auf Charles Mansons Ranch gedreht.

    Als Musikvideo soll das Ganze allerdings gar nicht erst verstanden werden. Zwar verwendet der Clip Auszüge aus »Trigger Happy Hands« von Placebo, ein klassisches Musikpromo wollten lag weder Placebo noch Nilsson im Sinn. Statt dessen hält sich die Musik angenehm dezent im Hintergrund, bricht immer wieder für einige Sekunden über die beklemmende, zum Teil brutale Handlung des Films hinweg.

    Nilsson verwendet die Figur des Clowns als Metapher für rassistische und kulturelle Übergriffe in der Menschheitsgeschichte: Eine gesellschaftliche Minderheit, die verfolgt wird und sich letztlich gegen ihre Unterdrücker auflehnt. »Ich bin mir sicher, dass die Musik, die Handlung und die Bilder zusammenpassen sollten«, sagt Nilsson über »Trigger Happy Hands«.

»Es war allerdings wichtig, eine gewisse Ironie einfließen zu lassen – ich wollte (den Kurzfilm) auch nicht zu extrem aggressiv anlegen. Es sollte nicht spekulativ, politisch korrekt und eindimensional sein. ›Trigger Happy Hands‹ ist ein Song über globale Fehler und Ignoranz. Eine Welt, die mit einem Lächeln auf den Lippen untergeht. Aber es wäre zu offensichtlich, das rein in schwarz-weiß-Form zu übersetzen. Ich wollte eine Komplexität innerhalb der Clown-Gemeinschaft. Wir wissen in diesem Fall nicht, wer Feind und Verbündeter ist.«

Interessanter scheinen Nilsson da die Referenzen zum Kult um Charles Manson: »Sie dachten, dass sie für eine gute Sache kämpften, Teile der Hippie-Kultur unterstützten das.« Die Moral sei letztlich, dass der Gewinner Geschichte schreibt. Als Drehort für den Kurzfilm wählte Nilsson die Charles Mansons Barker Ranch im Death Valley. Menschen werden von Clowns in Drahtverschlägen als Geisel gehalten, in den angrenzenden Gebäuden trainieren Bewaffnete für den Widerstand. Erzählt wird auch die Geschichte eines Jungen, dessen Eltern von ›normalen‹ Menschen brutal getötet werden. Von der Clown-Community aufgenommen wächst in ihm die Wut und der Wunsch nach Rache.

    »Trigger Happy Hands« stammt von dem im September auf Pias wiederveröffentlichten Placebo-Album »Battle for the Sun«, ein offizielles Musikvideo gibt es dazu natürlich auch.

 


VIDEO: Andreas Nilsson & Placebo – Trigger Happy Hands

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