Clipping. CLPPNG

Sub Pop protegiert die nächsten Rap-Talente: CLPPNG, das Debütalbum von Clipping., ist eine ebenso gut informierte wie experimentierfreudige Platte geworden. Zum Stream gibt es unsere Rezension.

Nach dem Abklingen des Grunge-Hypes und einem Zwist der beiden Gründer hatte man längere Zeit wenig gehört von Sub Pop, dem in Seattle ansässigen Label, das vor über 20 Jahren Nirvana und Soundgarden zu ersten Erfolgen und in der Folge zu Weltruhm verhalf. Ab 2009 begann das Label, sich neu zu erfinden, indem es mit Shabazz Palaces und Theesatisfaction die Rap-Avantgarde seiner Stadt unter Vertrag nahm. Diesen Kurs setzt Sub Pop mit dem HipHop-Trio Clipping. fort und beweist dabei erneut sein geschultes Ohr für aufregende Zukunftsmusik.

Das Wort »clipping« kann mit Ausschnitt oder Verstümmelung ins Deutsche übersetzt werden, löst beim ersten Hören des Albums CLPPNG aber vor allem lautmalerische Assoziationen aus. Überall klicken und klirren und übersteuern die Signale. Die Produzenten Jonathan Snipes und William Hutson, die zwei Drittel von Clipping. ausmachen, geizen weder mit Alltagssounds wie fließendem Wasser, fallenden Schlüsseln und brechendem Glas, noch mit auf und ab ziehenden Alarmklängen. Dass bei solch einer Fülle von Elementen das Gesamtergebnis dennoch stets nüchtern bleibt und durchaus zum entspannten Kopfnicken einlädt, hat schon etwas Fabelhaftes.

So besteht das Instrumental von »Get Up« lediglich aus zwei bis drei verschiedenen Weckertönen, die dem Hörer mächtig auf den Geist gehen würden, wäre da nicht die sirupartige R’n’B-Hook von Sängerin Mariel Jacoda. Und natürlich die Raps von Frontmann Daveed Diggs, die eine Klasse für sich sind. Diggs ist ein so wandlungsfähiger und kenntnisreicher MC, dass er sich unweigerlich der Reproduktion von Glanzmomenten älterer Genregrößen hingeben muss. Wenn Diggs etwa in »Taking Off« aus einem Maschinengewehr-Flow ganz unvermittelt in melodischen Sprechgesang wechselt, erinnert das an Dead Prez oder Outkast. Wenn er mit Rapperin Gangsta Boo von Three 6 Mafia in »Tonight« die Zeilenenden übermütig in die Höhe zieht, klingt er dagegen nach Dirty-South-Rap von Anfang der Nullerjahre. Es sind nicht nur die eindeutigen Style-Zitate, die Daveed Diggs als vernarrten Meisterschüler sämtlicher US-HipHop-Strömungen der vergangenen Dekaden ausweisen. Auf »Dream«, dessen Beat aus kaum mehr als ein paar Glockenschlägen und ein bisschen Grillenzirpen besteht, zitiert er wörtlich Notorious B.I.G.s ersten Part in »Juicy«.

Einen Höhepunkt ihrer Experimentierfreude liefern Clipping. mit dem Stück »Dominoes«, wo sich eine schwermütige Klaviermelodie zu schneidenden Laserschwertern verirrt und ein Kinderchor mit Rick-Ross-artig verfremdeten Vocals kollidiert. Großes Kino!

Npr.org streamt das Album, das hierzulande am 13. Juni erscheint, bereits in voller Länge.