Clinic

Mit Franz Ferdinand kam 2004 der große Erfolg beim Domino-Label. Und die Nachfrage nach noch mehr heißem Hypestoff. Man nahm weitere Erfolg versprechende Acts wie die Test Icicles, The Kills, Arctic Monkeys und These New Puritans unter seine Fittiche. Und vergaß dabei die eigentlichen Hausbands. Clinic haben seit ihrem Signing 1999 den Domino-Katalog mit vier Alben und elf Singles maßgeblich mitgeprägt. Mit Album Nummer fünf, »Do It!«, dürfte ihnen nun eine breitere Aufmerksamkeit zuteil werden – es ist nämlich ihr bis dato eingängigstes Werk. Die vier Herren aus Liverpool, die live und auf Fotos mit Mundschutz in Erscheinung treten, setzen diesmal mehr auf den Kontrast zwischen ›weirdness‹ und ›mellowness‹ (und nicht mehr nur auf Ersteres). Mit anderen Worten: Ihr heftig wilder Cut-Up aus Sixties Garage, Psychedelia, Punk, Girl Pop, Motown und Lounge bleibt bestehen, wird auf »Do It!« aber besser im Zaum gehalten und sucht den goldenen Schnitt seiner Konstituenten.

    Im Opener »Memories« übergibt ein psychotisches Hackbrett an ein dröhnendes Kick-Ass-Stomp-Fuzz-Riff, das von einer verträumten Sixties-Orgelpassage mit Gesang sanft aufgefangen wird, bevor – Cut! – das Riff den Song wieder an sich reißt. Das Timing dieses ansatzlosen Stilwechsels sitzt perfekt, die Abstimmung stimmt. Auch die erste Single »Free Not Free« entwickelt aus dem Schlagabtausch zwischen ›schräg‹ und ›sanft‹ einen fiebrigen Flow und hitzigen Groove, wie man ihn so noch von den Stone Roses in Erinnerung hat. In »Tomorrow «, »Shopping Bag« oder »Wingend Wheel« verquicken sich die verschiedenen Stile bereits zu einem Ganzen. »The following signal is recorded equally and in phase of both channels and should provide a central image«, orakelt eine weibliche Computerstimme am Anfang von »Emotions«, was eigentlich nur heißen kann: Auf diesem Album finden Dinge zusammen, die nicht zusammengehören und doch ein einheitliches Bild abgeben. Eine schiefe, hektische Rythm’n’Blues-Gitarre passt problemlos zu einer lang gezogenen Morricone-Melodie, Wire verträgt sich mit den Pixies, Gene Vincent mit Lou Reed. Produzent Jacquire King aus Tennessee hat zuvor schon Alben von den Kings Of Leon, The Features und Modest Mouse auf Linie gebracht. Maßgeblichen Anteil für das Gelingen dieses popgewordenen Experiments hat jedoch in erster Linie Clinic-Sänger Ade Blackburn. Mit seinem eindringlichen, dabei zittrigen und leicht nasalen, durch die Zähne gepressten Gesang hält er die Songs, die eigentlich nie Refrains haben, wie ein Souverän zusammen und klingt dabei so sterbensschön wie nie zuvor. Mit »Do It! « sind Clinic somit auf einem guten Weg vom Gaga-Avantgardismus zum ernst zu nehmenden Britpop, ohne dabei ihre Wurzeln zu kappen.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 11.04.2008

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