ClickClickDecker

Es dringt gedämpfte Musik durch das Schaufenster des Plattenladens Michelle Records in der Hamburger Innenstadt. Im Vorbeilaufen könnte man auf Kettcar tippen, »Balu« vielleicht, in der Cover-Version. Drinnen korrigiert sich der Eindruck: es klingt zwar immer noch ein bisschen nach Kettcar, oder Kante, oder Tomte, oder Olli Schulz, oder Hamburg halt, aber gecovert wird hier höchstens das Konzept, die Songs sind alle selbstgeschrieben. ClickClickDecker stellen beim »Schaufenster-Konzert« ihr neues Album vor und viel zu große Brillengestelle und Strickmützen nicken zum Beat. »Macht’s Spaß, zu zugucken?«, fragt Sänger und Songwriter Kevin Hamann zwischen zwei Liedern. Die Antwort kommt aus der ersten Reihe: »Joah.« – »So, Okay ne?«, sagt Hamann, »Ich find’s auch okay.«

    Zum ersten Mal hat er ein Album nicht allein im Schlafzimmer, sondern gemeinsam mit Band eingespielt. »Den Umständen entsprechend«  heißt es und im Grunde reicht auch ohne das Wissen um Hamanns frühere Solo-Produktionen schon dieser Name, um zu erahnen, wie die Musik klingt. Songtitel wie »Es fängt an wie es aufgehört hat«, »Wenn Ethna wieder spuckt« und »Händedruck am Wendepunkt« runden den Eindruck ab, File under: Fahrstuhl-Indie. Vom Coverdesign, das Impressionen aus mitteleuropäischen Mischwäldern sammelt (vgl. Olli Schulz 2003, Blumfeld 2006 und die Meanie Bar in St. Pauli), über den teilnahmslos bis nörgelnden Gesang, bis zum sympathischen, selbstironischen Auftreten: alles ist wohl vertraut. Was gut ist, weil so die Hörer nicht überfordert werden, die schon genug an ihren kleinbürgerlich-großstädtischen Leben zu leiden haben, wenn sie sich in diesen Texten wiederfinden.

    Denn lyrisch ist »Den Umständen entsprechend« die Lizenz für Lifestyle-Leider, für Leute, die daran hadern, ob sie ihr Studium, ihren Job, ihre Beziehung jetzt abbrechen sollen oder nicht, weil ja irgendwie, irgendwo, irgendwann theoretisch alles viel, viel besser seien könnte. »Ist das Leben zum Leben ungeeignet, weil man sich ständig nur verrennt?«, singt Kevin Hamann und: »Leiden ist Okay«.

    Die Musik dazu ist ebenso verbraucht wie die Textfloskeln nicht funktionieren. Um noch mal auf den einleitenden Vergleich zu kommen, ließe sich sagen: ClickClickDecker verhalten sich zu Kettcar, wie Anajo zu Sportfreunde Stiller. Ohne die Zweitgenannten hätte man von Ersteren womöglich nie erfahren. Und mit den Zweitgenannten klingen Erstere wie unambitionierte Me-Too-Produkte. Es gibt Bands, die mit minimalen Mitteln maximale Wirkung erzielen. Und es gibt Bands, bei denen geht die einst von Kante besungene Rechnung von der Summe der einzelnen Teile einfach nicht auf. ClickClickDecker ist so eine Band. Man muss sie deshalb nicht ablehnen, Okay sind sie allemal. Aber leider sonst nichts.

LABEL: Audiolith

VERTRIEB: Broken Silence

VÖ: 30.01.2009

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