Clark Clark

Hymnische, silbrig-schillernde Monolithe, die sich nicht ganz entscheiden können: Clark tänzelt auf Clark zwischen Club und Museum

Erstes Kritikergebot: Du sollst nicht aus dem Pressetext abschreiben. Wenn darin allerdings ein so schönes Statement des Künstlers selbst überliefert ist, bricht man schon mal mit dem Kodex. »Musik ist wie Bildhauerei. Sie ist wie der Versuch, einen Moment von äußerster Wucht festzuhalten und ihn auf ewig zu destillieren.« So lässt sich der britische Musiker Clark im Begleittext seines autoreferenziell betitelten Albums Clark zitieren.

Musik isoliert demnach bestimmte heftige, starke oder besonders dynamische Zustände und brennt sie in Reinform fest. Was zumindest einen Aspekt von Musik anschaulich wiedergibt: Ein musikalischer Gedanke, der in der einen oder anderen Form fixiert wird – als Noten aufgeschrieben, als Aufzeichnung gespeichert –, ist dadurch reproduzierbar und soll es in der Regel auch bleiben. Zugleich fällt das statische Musikverständnis auf, das sich in diesem Vergleich ausdrückt. Dass Clark ausgerechnet die Bildhauerei heranzieht, lässt bestimmte Aspekte der Musik unter den Tisch fallen: Musik als Prozess, als Ereignis in der Zeit, das von Mal zu Mal variieren kann, von Improvisation als spontan konstruierter Idee ganz zu schweigen. Doch Clark macht ja auch keinen Jazz, sondern Techno, wo das Improvisieren keine Selbstverständlichkeit ist.

Was auch einiges über den Zustand des Genres sagt. Von Aufbruch und völliger Gegenwartsbezogenheit ist im Techno schon seit einer Weile nicht mehr die Rede. Stattdessen scheint man zunehmend hochkulturellen Ambitionen anzuhängen. Was auf dem Album Clark nur ansatzweise eingelöst wird. Produzent Clark schmiedet hymnische, silbrig-schillernde Monolithe, die sich nicht ganz entscheiden können, ob sie in den Club gewuchtet oder ins Museum gestellt werden wollen. Einige Feldaufnahmen lockern die Sache auf, verleihen den Tracks mehr räumliche Tiefe; an anderer Stelle werden sanftere, unterkühlt-träumerische Akkorde hinzugefügt. Das ist alles solide und sehr stilsicher gearbeitet. Doch es regt nur eingeschränkt an.

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