Chrome Hoof Pre-Emptive False Rapture

Es war abzusehen, dass der Heavy Metal in seiner neu erlangten Popularität früher oder später den Schulterschluss mit der Club- und Discokultur eingehen würde. Experimente dieser Art wurden bisher von den wenigsten Bands und Vertretern dieser Musik ausgeführt, galt doch die Koketterie mit elektronischen Klangerzeugern und genrefremden Stilistiken als Verrat an einer handgemachten und somit authentischen Musik.

    Die aus England stammenden Brüder Leo und Milo Smee, ignorieren mit ihrem Projekt Chrome Hoof konsequent jene im Heavy Metal ansässigen wertkonservativen Ansichten und präsentieren auf »Pre-Emptive False Rapture« ein wucherndes Stilkonvolut, dessen Ideenfülle sich aus einem um die Band ansässigen Musikerkollektiv speist. Dazu gehören beispielsweise die Soul- und Jazz-Sängerin Lola Olafisoye (Spektrum), Nuwella Love von dem Elektronikduo Tense, der Metal-Experimentator Daniel O’Sullivan (Guapo, Æthenor) und schließlich Lee Dorrian, der ehemals bei Napalm Death aktiv war und jetzt zusammen mit Leo Smee bei den Doom Rockern Cathedral musiziert. Somit erklärt sich der Sound von Chrome Hoof mit den zahlreichen Einflüsse, die aber verwunderlicherweise sehr systematisch in jeweils unterschiedlichen Stücken präsentiert werden. Bereits die Betitelung verweist auf den musikalischen Inhalt, obwohl mit der dahinter stehenden Erwartungshaltung immer wieder gerne gebrochen wird.

    Demgemäß beginnt »Death Is Certain« als klassisches Death Metal Stück, erfährt aber mittendrin eine musikalische Neubestimmung: Wie aus dem Nichts erklingt ein Streicherensemble, das in seiner klaustrophobischen Unruhe an die Arbeiten des tschechischen Komponisten Zdenek Liska denken lässt. »Astral Suicide« wiederum klingt als ob die schwedische Band Entombed ihren Death & Roll Sound durch eine Big Band erweitert hätte, während der Opener »Nordic Curse« – an dieser Stelle sei an die alten Veröffentlichungen der okkulten Symphonik Metaller Therion erinnert – mit einem epischen choralen Arrangement aufwartet und nahtlos in die Stücke »Tonyte« und »Pronoid« überleitet. Hier kommt Lola Olafisoye zum Einsatz, die mit ihrem energischen Gesang das treibende New Wave Gerüst aus knallendem Bass und galoppierendem Schlagzeug souverän zu dominieren versteht. Schließlich existiert da noch die Vorliebe für die Extravaganz des Progressive Rocks, der allerdings nicht in einem abgeklärten Virtuosentum dargeboten wird, sondern stets durch eine zugängliche Spielfreude begeistert. »Moss Covered Obelisk« stellt durch eine Integration klassischer Musikelemente und einer komplexen, rhythmischen Juxtapositionen aus Schlagzeug- und Bläsermotiven diese stilistische Ausprägung besonders eindrucksvoll zur Schau. »Spokes Of Uridium« bildet zu guter Letzt das Finale einer gelungenen Platte und fasst in einer acht Minuten langen Space Opera das gesamte stilistische Repertoire der Band zusammen.

    Kosmische Discoouvertüren treffen auf brasilianische Musikzitate und werden durch hypnotische Perkussionsattacken und psychedelische Raum-und-Zeit-Verschiebungen verfeinert. Komplementiert wird Chrome Hoofs Musik durch eine glitzernde Kostümierung, die in ihrer interstellaren Entrücktheit an die Kleidungsvorlieben eines Sun Ra erinnert und dabei auch versucht Kontakt zu der funkelnden Welt der Mode aufzunehmen. Nicht umsonst hat die englische Boutique Tatty Devine Chrome Hoof Ketten und Broschen produziert. Mir würde allerdings ein herkömmlicher Aufnäher viel besser gefallen.

LABEL: Southern

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 12.10.2007

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