Christy & Emily No Rest

Christy And Emily No Rest Tonträger Pop-Briefing Spex #326Dax: Zwei, die narkotisiert in schwer fassbaren Traum- und Zeitschleifen kreisen. »Don’t you ever dream that you’re like the kings and monsters? / Sleep tight, sleep tight, sleep tight, sleep tight« – Christy Edwards und Emily Manzo driften mit ihrem direkt an die frühen The Velvet Underground anknüpfenden opaken Harmoniegesang, mit ihren dunklen, minimalistischen Arrangements und vergangene Jahrzehnte beschwörenden Melodien an Musik an, die heute so nicht mehr gemacht wird, aber nie unmodern war.

    Hübener: Die dunkel schimmernden, balladesken Songs setzen dabei nicht auf den grellen Effekt, sondern auf jene Je-ne-sais- quoi-Wirkung in der Kadenz, die dazu führt, dass man von dieser Musik nicht mehr loskommt. Ihre Gesangsmelodien sind so klar wie eingängig, und doch hängen sie immer wieder in der Luft, umweht von merkwürdigen Leerstellen, untermalt von repetitiv-monotonen Akkordfolgen auf dem Klavier. Der Song wird bei Christy & Emily immer wieder ins Offene des atmosphärischen Tracks ausgefranst. Mal erinnert die einfache Herange- hensweise an die karge Poesie der Young Marble Giants, mal lassen ihre stoischen Gitarren Lou Reed anklingen: Die beiden New Yorkerinnen transponieren Punk-Minimalismus und Neue-Musik-Vergangenheit zu etwas sehr Eigenem, Neuen.

    Waak: Jedes Stück ist imstande, atmosphä- rische Bilder aufzurufen, die anders zu sich selbst und anders zu den anderen sind. Auf ihre Weise einnehmend sind sie dabei alle: »Sundowners« lässt die Luft mit Barrelhouse- Piano, Mundharmonika und leicht verschlepptem Harmoniegesang vor Unklarheit erzittern, »Guava Tree« greift auf die opiatische Melodie von Dylans »Gates of Eden« zurück, und das in einen lahmenden Basslauf gehöhlte »Cave« besticht durch Zurückgenommenheit – hier irrlichtern ein Gitarrenmotiv und ein getrom melter Rhythmus durch Düsternis und Verlustangst: »Stars shine above us, like others who love us, how brightly they glow«. Dieser Song ist in seiner hypnotischen Abgebremstheit der klare Höhepunkt des Albums. Aber alles wäre nichts ohne ihren Gesang – das Album wird trotz seiner relativen Heterogenität von zwei Stimmen zusammengehalten, die sich mal für sich, dann wieder gemeinsam erheben. Eine vermeintliche ›Harmlosigkeit‹ von Christy & Emily begreifen wir im Laufe der Zeit als Unmittelbarkeit.

    Krämer: Der Eindruck einer vermeintlichen Harmlosigkeit kommt nicht von ungefähr: Immer wieder meint man, diese Songs genau so schon irgendwo, von irgendwem anders gehört zu haben. Dass Christy & Emily dennoch nie wie Epigonen wirken, dürfte auf Hans Joachim Irmlers wirklich großartige ätherisch-gelassene Produktion zurückzuführen sein, die den zehn Songs eine majestätische Aura verleiht. »No Rest« entwickelt sich so zu einem Erlebnis mit Sogwirkung.

 

LABEL: Klangbad | VERTRIEB: Broken Silence | : 05.02.2010

1 KOMMENTAR

  1. […] Musik, die den grellen Effekt meidet, ist mitunter imstande, die stärkere Sogkraft zu entwickeln. Hier sind es schimmernde, balladeske Songs mit Barrelhouse-Piano, Mundharmonika, irrlichternden Gitarren und verschleppten Vocals: »Christy Edwards und Emily Manzo driften mit ihrem direkt an die frühen The Velvet Underground anknüpfenden opaken Harmoniegesang, mit ihren dunklen, minimalistischen Arrangements und vergangene Jahrzehnte beschwörenden Melodien an Musik an, die heute so nicht mehr gemacht wird, aber nie unmodern war.« (aus Spex #326) […]

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