Choir Of Young Believers »Grasque« / Review

Schrieb sich wie von selbst:  Jannis Noya Makrigiannis‘ Album nach der Sinnkrise.

Jannis Noya Makrigiannis sagte unlängst, er könne mit Choir Of Young Believers machen, was er wolle – es sei schließlich seine Band, er habe sie gegründet und überhaupt. Das liest sich großkotziger, als es vermutlich gemeint war, denn Grasque, das neue Album von Choir Of Young Believers, klingt eher nach Neuorientierung als nach Standortsicherung.

Dabei hatte sich die Kopenhagener Band um Makrigiannis doch hübsch eingerichtet in der Welt des Kammerorchester-Pop. Der avancierte Balanceakt zwischen angekitschtem Pathos und eisgekühlter Atmosphäre wurde mit Preisen dekoriert und zur Untermalung von TV-Serien eingesetzt. Nach dem Erfolg des letzten Albums Rhine Gold rutschte Makrigiannis allerdings in eine Sinnkrise und wollte keine Musik mehr machen, bis er anfing, mit dem Mini-Sampler herumzuspielen, den ihm seine Mutter geschenkt hatte. Und bis das Angebot ins Haus flatterte, Depeche Mode auf Welttournee zu begleiten. Im Zuge dessen kamen die Dinge bei Choir Of Young Believers wieder ins Rollen: Mit Produzent Aske Zidore nahm Makrigiannis ein paar der am Sampler entstandenen Skizzen auf, um sie live auszuprobieren, das restliche Album schrieb sich dann beinahe wie von selbst, in gerade mal einer Woche.

Grasque klingt eher nach Neuorientierung als nach Standortsicherung.

Grasque präsentiert sich als merkwürdige Mischung aus übersteigertem Selbstbewusstsein und unentschlossenem Rumprobieren. Am Anfang mäandern spannungsarme Chillwave-Flächen in enervierenden Klanglandschaften herum, mit »Serious Lovers« legt man Experimentierfreude im Feld von cheesy Achtziger-Soul-Pop an den Tag und baut im Titelstück einen ziemlich geilen Oriental-Beat á la »Egyptian Reggae« ein. Man spürt, welchen Spaß Makrigiannis mit seinem Mini-Sampler gehabt haben muss. Deepe House-Bässe, Jazz- und Techno-Elemente: Alles geht – doch nicht alles passt auch wirklich zusammen. Aber aus Paradoxien sind schon die tollsten Sachen entstanden. Wer weiß, wohin es Makrigiannis und seinen Sampler noch treibt. Er kann schließlich machen, was er will.

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