Chikinki

Ah schön, Prog Rock als Poser-Veranstaltung. Chikinki gehen über rhythmische Fundamente, die der leicht exzentrischen Idee entsprechen, zwei Keyboards statt Keyboard/Bass zu spielen. Uhrwerke ticken im Schlagzeuggerüst, ein süßer Amen-Break rauscht durch die Existenz verträumter Mid-Twens, und dann immer wieder diese: Ruhe. Das können sie gut, Pausen setzen, mittels derer sich auf einmal ganze Dramen auftun. Rundum ist es schwarz, ein Space mittlerer Größe, wie auf den Fantasy-Bildern, die Ende der 70er Jahre friedensbewegte Jugendzentren und Dorfdiscos dekorierten. Und dann baut sich langsam alles wieder zusammen: das Schlagzeug der Unruhe, eine stets den Noise suchende Gitarre, die beiden Keyboards, die sich letztlich doch die Arbeit aufteilen in erstens fundamentales Pulsieren nah beim Schlagzeug und zwotens Sprengsel und Sphärik.

    Erst Sänger Rupert Browne gibt dieser Runde überhaupt erst die Chance, von einer großen Plattenfirma für das möglicherweise nächste Rock-Ding gehalten werden zu können, so geht der aus sich raus. Während seine Mitmusizierenden aus Bristol immer wieder echt schöne, neue Gesten für seit den Sixties ständig wiederkehrende Phänomene finden – das Verstreichen der Zeit als Ereignis, Liebe, »Lick Your Ticket« -, passt Brownes Art zu singen öfters noch in Backformen. Doch gerade das ist wohl der Anschluss an den großen Zirkus, den sich Universal vor einem Jahr versprach, als die Platte in Großbritannien erschien. Sie waren dann doch nicht jede Woche auf´m NME-Cover – gut für die Band, denn die sind jetzt schon so super, es wäre schade, wenn die für die Arenen fit gemacht würden. Lieber sollen sie bitte in die andere Richtung gehen und das bisschen Zuviel an Normalotum und Verhaltenheit wegschmeißen.

LABEL: Kitty-Yo / Intergroove

VERTRIEB: mdm

VÖ: 25.07.2005

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