Mach’ keine Kunst, Mode, Musik

Ihr neues Musikvideo zu »Glamour Girl« bedient sich der gleichen Prinzipien, die auch den zahllosen »Jackass«-Formaten und Skateboard-›Bail‹-Videos zugrunde liegen: Stürze aus mittlerer Höhe, eine meist scheinbar schmerzhafte Landung, die oft aber gerade noch glimpflich ausging. Der Unterschied: Die Chicks On Speed zeigen keinen Sport oder fügen sich selbst Schaden zu, stattdessen collagieren sie nun für die Neuauflage ihres 1998 erstmals veröffentlichten Songs »Glamour Girl« zahllose Cat-Walk-Aufnahmen von Modeschauen, Miss-Wahlen oder Casting-Shows, in denen junge Damen auf geheiß der Modehäuser auf hohen Absätzen über den Laufweg staksen und schließlich vor der Schwerkfraft kapitulierend zu Boden gehen. Ein Kommentar auf die Arbeitsbedingungen von Models also, aber auch auf die Industrie, die die entsprechenden Teile entwerfen. Begleitet wird das Video von einer Neuauflage des Originals: Die zunächst harmlos dahinplätschernde Plastik-Pop-Produktion schlägt gegen Ende in von Digital-Saxofon und Noise-Gitarre verzerrtes Electro-Bratz-Brett um.

    Aber es gibt noch weitaus interessantere Neuigkeiten der Chicks On Speed: Von Juni bis August wird man endlich das Ergebnis von Melissa Logans und Alex Murray-Leslies ›Residency‹ im schottischen Dundee sehen können. Seit Mitte Mai arbeiteten sie im »Visual Research Center« des Museums für zeitgenössische Kunst Dundee, bereiteten sich so auf ihre Retrospektive »Chicks On Speed: Don’t Art, Fashion, Music« vor, die am 4. Juni mit einer Live-Performance eröffnet wird. Dort werden COS neben vielen Objekten aus den letzten fünf Jahren auch den »E-Shoe« vorstellen: Eine Stiletto-Gitarre, die in Zusammenarbeit mit dem Haute-Couture-Designer Max Kibardin und dem KünstlerInnen-Zentrum Hangar.org entstand und über die Bewegung der tragenden Person Gitarren-Samples abspielt. »Bei der High-Heel-Gitarre geht es um Performance«, sagte Alex Murray-Leslie im Interview mit Dazed Digital. »Das ist ein starkes visuelles Element, das vielen Instrumenten fehlt. Uns geht es um einen Auftritt und die Suche nach unterschiedlichen Klangproduktionswegen. Für unser letztes und das nächste Album waren wir auf der Suche nach neuen Klängen.«

    Daneben werden Chicks On Speed auch mit Synthesizer-Modulen versehene Zigarrenschachteln sowie die »Theremin Tapestry« zeigen, außerdem sieht man in Dundee zwei in Kollaboration mit Christophe Coppins entstandene und von gut acht Jahrhunderte alten Zeichnungen Hildegard von Bingens illustrierte Hüte, die – mit Mikrofonen, Pitch-, Gain- und Echo-Effekten versehen – als mobile Entertainment-Systeme funktionieren. Daneben arbeiteten Chicks On Speed mit lokalen und internationalen Künstlern an der Verbindung traditioneller Handwerke mit moderner Technologie – eine naheliegende Ausrichtung, schließlich findet die Ausstellung im Rahmen des »Craft Festival Scotland« statt, eine Art zukunftsorientierte Leistungsschau des regionalen Kreativhandwerks.

 


VIDEO: Chicks On Speed – Glamour Girl (2010)


VIDEO: Chicks On Speed – Theremin Tapestry

Chicks On Speed: Don’t Art, Fashion, Music:
05.05.-08.08. GB-Dundee – DCA (Dienstag – Sonntag, Montag Ruhetag)

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