Ceramic TL »Sign Of The Cross Every Mile To The Border« / Review

Sign Of The Cross Every Mile To The Border reiht assoziativ Ketten von Sounds und Referenzen aneinander, die sich nicht synthetisieren wollen.

Wohin wir auch schauen, sehen wir sich langsam entladende ökologische Katastrophen. Während die Welt sich beschleunigt, ziehen sich die Knalleffekte zunehmend in die Länge. Ist Nachhaltigkeit da überhaupt noch eine sinnvolle Gegenstrategie? Die Stimmen nach Resilienz, nach dem klugen Taktieren zur Überwindung von Krisen, werden immer lauter. Die gegenwärtige Krise sei als Chance für die Zukunft zu nutzen, heißt es. Nach dem Motto: Wenn die Polarkappen schmelzen, was lässt sich dann mit dem gewonnenen Wasser anfangen?

Es ist, als würde jemand einen PC-Music-Mix gegen ein Noise-Tape aus den späten Achtzigerjahren antreten lassen.

Der kanadische Musiker David Psutka ist einer dieser Resilienzbefürworter, und sein erstes Album unter dem Decknamen Ceramic TL ist hoffnungslos dem Glauben an den Optimismus verschrieben. So naiv sich das liest, so unbedarft klingt Sign Of The Cross Every Mile To The Border keineswegs. Zu hören ist der 40-minütige Widerstreit zwischen makelloser Glätte und rostiger Rohheit. Das ist ein Dualismus, der bereits in Psutkas Produktionen unter dem Namen Egyptrixx zum Tragen kam, in seiner Beat-befreiten Form auf dem Ceramic-TL-Debüt aber umso hellere Funken schlagen kann. Dreckiges Knirschen wird mit knalligen Preset-Klängen kontrapunktiert. Es ist, als würde jemand einen PC-Music-Mix gegen ein Noise-Tape aus den späten Achtzigerjahren antreten lassen. Kontextualisiert durch ewig lange Tracktitel (»I Often Wondered How The Group Would React When Eco-Apocalypse Finally Struck«) wird die krude Mischung umso mehr semantisch aufgeladen, nie jedoch aufgelöst.

Sign Of The Cross Every Mile To The Border reiht assoziativ Ketten von Sounds und Referenzen aneinander, die sich unter keinen Umständen synthetisieren wollen. Der Bruch zwischen glänzend-glatter Erlebniswelt und den brutal-realen ökologischen Dauerkrisen wird nicht geglättet, sondern verstärkt. Wenn Arca den Soundtrack zu sich wandelnden Körperbildern produziert, dann schreibt Psutka die Musik zu den sich langsam entladenden Katastrophen um uns herum. Es ist immerhin ein Trost, dass er an den Optimismus glaubt.

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