Donnerstag, April 2, 2020

Elektroakustischer Salon

Elektroakustischer SalonIn der neuen AnOtherMan geblättert: Ein Artikel ist überschrieben mit »im Glück: Why Germans don’t love Krautrock as much as we wish they did«. Der Autor Michel Faber schreibt: »Germans like jazz. They like blues. They like heavy rock. They adore Bob Dylan. The younger ones like techno. Or metal. The older ones have a soft spot for some British prog-rock. And they love Bob Dylan (or did I already mention that?). They want to know if you’ve heard the mindblowing bootleg of Dylan at Alsterdorfer Sporthalle in April 2002.« Aber die Deutschen hören eben (leider) keinen Krautrock.

    Wenn der Faust-Gründer Hans-Joachim Irmler und der einstige Schlagwerker der Einstürzenden Neubauten, FM Einheit, am 29. November im von Spex und Berghain kuratierten Elektroakustischen Salon aufeinandertreffen, dann ist ›Krautrock‹ natürlich nur eine Spur, ein Echo, das aus der an diesem Abend entstehenden Musik heraushörbar sein wird.

Kreidler

Kreidler Teaser Kreidler, vor fünfzehn Jahren von Thomas Klein, Andreas Reihse, Detlef Weinrich und Stefan Schneider gegründet, gehören nach wie vor zu den bemerkenswertesten und wandelbarsten Bands aus Deutschland. Wenn sie nun im Winter ihr neues Album »Mosaik 2014« auf einer ausführlichen Live-Tournee vorstellen, wird wieder alles möglich sein. Eines ist aber gewiss: Es wird gut.

    Ganz ähnlich klingt dies auch im Kreidler-Blog auf Spex.de, in dem sich Andreas Reihse anlässlich jüngster Frankreich-Konzerte an frühere Reisen erinnert.

Peaches »I Feel Cream«

Peaches I Feel Cream TeaserKeine Lo-Fi-Ästhetik mehr wie bei »Take On You«, nun gibt es bei Peaches ironisch vorgetragene Klischee-Bilder zu Glamour, Hetereo-Sex-Appeal und Fashion: Für ihr neues Video zum von Drums of Death und Simian Mobile Disco Song produzierten Song »I Feel Cream« ließ sich Peaches von Partizan-Regisseurin Kinga Burza mit fetten Schulterpolstern, durchsichtigem Mantel und in hüfthohen Schürstiefeln ablichten, Cory Enemy liefert den dazu passenden Großraumdisco-Remix.

    Im Anschluss an ihre Ende Oktober beginnende ausführliche USA-Tournee wird Peaches außerdem zwei von Spex präsentierte Deutschland-Shows spielen, Mitte Dezember besucht sie die größeren Konzerthäuser in Köln und Berlin.

Mudhoney

Im vergangenen Jahr testeten Mudhoney nach jahrelanger Auszeit ihren heutigen Marktwert und legten auf ihrem alten und aktuellen Label Sub Pop Records ihr aktuellles, achtes Album »The Lucky Ones« sowie die Wiederveröffentlichung von »Superfuzz Bigmuff« auf. Jene Debüt-Platte von Mudhoney wurde zwar etwas klanglich etwas optimiert, fühlte sich dabei aber so rau und kantig wie je zuvor an. Abgesehen davon, dass man darauf auch neun Stücke einer Berlin-Show von Mudhoney hörte, aufgezeichnet vor nunmehr einundzwanzig Jahren.

    Am morgigen Donnerstag spielen Mudhoney also erstmals seit Ewigkeiten wieder in Berlin – seit vierzehn Jahren, um ganz genau zu sein –, präsentiert von Spex und ohne Garantie auf zeitnahe Wiederholung dieser Show.

Mulatu Astatke & The Heliocentrics

Mulatu Astatke LiveWie ansteckend der Groove von Mulatu Astatke, des 66-jährigen Wegbereiters des äthiopischen Jazz, ist, lässt sich wunderbar an diesem Eigenexperiment abschätzen: Man greife zu der am Freitag erscheinenden Astatke-Werkschau-Compilation »New York - Addis - London – The Story of Ethio Jazz 1965-1975«, skippe bis zum sechsten Stück »Yègellé Tezeta« und beschalle damit seine nähere Umgebung – in den meisten Fällen dürfte sich der Effekt freudig mitnickender Köpfe einstellen, einigen Hörern wird der von der Hammond-Orgel und Trompete begleitete Rhythmus schwer bekannt vorkommen. Ein Effekt, der bei den beiden von Spex präsentierten Shows von Mulatu Astatke & The Heliocentrics im Publikum ebenso auftreten dürfte.

Die Improvisateurs aus Alphaville

Kreidler Platte der Ausgabe Mosaik 2014 Cover

Das neue Album der auf der Achse Düsseldorf-Köln-Berlin operierenden Band Kreidler spielt mit dem Gedanken, dass es erkenntnisstiftend sein kann, wenn man sich über die Zeit stellt. Kreidler denken in einer Art Retro-Futurismus das 20. und das 22. Jahrhundert zusammen. Ihre Science Fiction vereint Grundgedanken der Kybernetik, also der Wissenschaft der Kommunikation und der Kontrolle von lebenden Organismen und Maschinen, mit Godards Spielfilm »Alphaville« – der spielte in Paris Orly, durch dessen gläsernes, die Zukunft manifestierendes Labyrinth man sich auch heute noch bewegt, wenn man als Easy-Jetsetter in Paris landet.

    Frage: »Mosaik« im Sinne von »Labyrinth«?

Warp 20: Jubiläums-Doppelsause in Berlin

Berghain Warp 20 TeaserDie ersten Lieferungen der Jubiläums-Box erreichten in den vergangenen Tagen ihre Empfänger: Mit einem äußerst umfangreichen Box-Set begleitet das britische Electronica-Label Warp Records derzeit die Geburtstagsfeierlichkeiten, schlicht »Warp 20« betitelt. Da die zahllosen auf Warp veröffentlichten Acts und Alben aber stets auch einen Bezug zur Clubkultur hatten, wird das aus London operierende Label verschiedene »Reallife«-Feiern ausrichten, eine davon findet an zwei Tagen im Berliner Club Berghain statt.

Patrick Wolf ab Dienstag auf Tour



Entschuldigt hat er sich für seinen Ausraster während des diesjährigen c/o pop-Festivals schon längst – ehrlich, aufrichtig und vor allem öffentlich. Weshalb es unserer Meinung nach wirklich keinen Grund gibt, die morgen beginnende und von Spex präsentierte Tour des britischen Folk- und Elektronikkünstlers Patrick Wolfnicht zu besuchen.

    Und: Eine großartige Platte wie »The Bachelor« gibt es sicher nicht alle Tage. Seine einschmeichelnde Mischung aus introvertierten Gedanken, kanonisierter Musikgeschichte und hochmoderner Soundtechnologie verpackt Wolf nicht selten in simplen Mainstream-Formeln. Live kommt das mindestens ebenso catchy wie im stillen Kämmerlein.

Club-Vertonung für alle!

Ein ganzes Album, zugeschnitten auf einen einzigen Club samt seines Publikums, aufgenommen innerhalb von zwei Stunden an einem Abend: Der Musiker, Komponist und Produzent Matthew Herbert hat in seiner Karriere schon viele zunächst bizarr anmutende Album-Konzepte gewagt, sie aber letztendlich stets in einer schlüssigen Form präsentiert. Am kommenden Mittwoch wird er – wir berichteten – im Frankfurt-Offenbacher Club Robert Johnson die Arbeit zu seinem zweiten 2010 erscheinenden Album aufnehmen, einer Vertonung jeder Nische des Robert Johnsons samt Einrichtung und Publikum. Herbert erläutert: