Sonntag, Juli 21, 2019

Patrick Wolf ab Dienstag auf Tour



Entschuldigt hat er sich für seinen Ausraster während des diesjährigen c/o pop-Festivals schon längst – ehrlich, aufrichtig und vor allem öffentlich. Weshalb es unserer Meinung nach wirklich keinen Grund gibt, die morgen beginnende und von Spex präsentierte Tour des britischen Folk- und Elektronikkünstlers Patrick Wolfnicht zu besuchen.

    Und: Eine großartige Platte wie »The Bachelor« gibt es sicher nicht alle Tage. Seine einschmeichelnde Mischung aus introvertierten Gedanken, kanonisierter Musikgeschichte und hochmoderner Soundtechnologie verpackt Wolf nicht selten in simplen Mainstream-Formeln. Live kommt das mindestens ebenso catchy wie im stillen Kämmerlein.

Club-Vertonung für alle!

Ein ganzes Album, zugeschnitten auf einen einzigen Club samt seines Publikums, aufgenommen innerhalb von zwei Stunden an einem Abend: Der Musiker, Komponist und Produzent Matthew Herbert hat in seiner Karriere schon viele zunächst bizarr anmutende Album-Konzepte gewagt, sie aber letztendlich stets in einer schlüssigen Form präsentiert. Am kommenden Mittwoch wird er – wir berichteten – im Frankfurt-Offenbacher Club Robert Johnson die Arbeit zu seinem zweiten 2010 erscheinenden Album aufnehmen, einer Vertonung jeder Nische des Robert Johnsons samt Einrichtung und Publikum. Herbert erläutert:

Girls


Foto: © Sandy Kim

Beobachtet man die innerhalb der letzten Wochen allerortens angestiegenen Erwähnungen des aus San Francisco stammenden Duos Girls, so muss man zwangsweise davon ausgehen, dass man es hier mit einem heißen Eisen zu tun hat, das nur darauf wartet, geschmieded zu werden. Schon seit einigen Monaten machen der Songwriter Christopher Owens und sein Partner Chet JR White mit einem guten Gespür für verrauschte, drückende 60s-Surf-Nostalgia-Songs auf sich aufmerksam, so als seien The Thrills mit einer raubeinigeren Stimme, mehr Selbstbewusstsein sowie schlechteren Gitarren und Amps ausgestattet worden – und als ob sie sich fortan einen feuchten Dreck um ihr Radio-Airplay scherten. Man kann festhalten: Girls und ihr Debüt-Album »Album« sind wie gemacht für ihr Label Matador Records. Ende der Woche beginnt ihre von Spex präsentierte Kurz-Tournee durch den deutschsprachigen Raum.

Crystal Fighters

Einmal mehr zeigte sich das Pariser Musik- und Modelabel Kitsuné wegweisend: Im Juni veröffentlichte das Kollektiv die siebte Ausgabe der »Kitsuné Maison«-Compilation, darauf hörte man neben La Roux, autoKratz, The Golden Filter, Phoenix und We Have Band auch einen Track der katalanisch-amerikanisch-britischen Band Crystal Fighters. Diese kombinieren knallende Synthesizer-Programmierungen mit der Rhythmik des Txalapartas, einem dem Xylophon nicht ganz unähnlichen baskischen Percussion-Instrument. Spätestens seitdem gelten die teils aus der autonomen Gemeinschaft bzw. Provinz Navarra und aus dem Londoner East End stammenden Fighters nicht wenigen als Kandidaten für die Newcomer des Jahres und aussichtsreichsten Kandidaten für das Hype-Thema 2010. Spex präsentiert ihr fünf Shows Anfang Oktober.

Moritz von Oswald

Ob Dub-Musik, komplexe Geräuschstudien, Agit-Pop, Klassik-Variationen oder Detroit-Techno – der in Berlin lebende Musiker und Komponist Moritz von Oswald hat in seiner rund 25-jährigen Karriere konsequent und stets interessiert, vor allem aber neu und bahnbrechend an Musik geforscht. Im Sommer veröffentlichte er nun sein neuestes Album mit Sasu Ripatti (alias Vladislav Delay, Luomo) und Max Loderbauer (NSI, Sun Electric) als Moritz von Oswald Trio, in der nächsten Woche werden sie »Vertical Ascent« im Rahmen des Club Transmediale bzw. der von Spex präsentierten (und kuratierten) Reihe »Elektroakustischer Salon« aufführen. Außerdem in Planung: die Berlin-Aufführung der »Sinfonie der Großstadt«-Vertonung während der großen Groove-Geburtstagsparty.

Live Film! Jack Smith!

Jack Smith Live Hebbel ArsenalEr gilt als einer der Vordenker von Camp, die Filme von Jack Smith verbanden klassischen Film mit Elementen der Popkultur: Tanz, Musik, Design und Alltägliches hatten einen festen Platz in der bewusst auf Lo-Fi getrimmten Ästhetik des 1932 geborenen Amerikaners. Vor zwanzig Jahren starb er schließlich im jungen Alter von 56 Jahren in New York, bis dahin konnte er – neben zahlreichen Kurzfilmen – fünf Spielfilme als Regisseur realisieren, in vier Streifen trat er selbst als Schauspieler auf – seitdem inspirierte er unzählige nachfolgende Musiker und Künstler wie The Velvet Underground oder Antony Hegarty. Im Oktober wird Smith – einen Monat nach seinem zwanzigsten Todestag – mit einem fünftägigen Film- und Performance-Festival geehrt.

Allroh & Talibam

AllrohHinter Allroh steckt Anne Rolfs, jene Gitarristin und Vokal-Perfektionistin, die schon vor zehn Jahren mit ihrer Band Wuhling verstörenden Emotions-Rock mit Noise-Elementen zu einem bemerkenswert klaren Ganzen verband. Nicht weniger intensiv klingen ihre Soloarbeiten: Mit stoischer Ruhe türmt sie Akkorde aufeinander und belegt sie mit irisierendem Gesang. Unterstützt wird Allroh von Talibam aus Brooklyn, denen nicht nur aufgrund ihres Namens Radikalität nachgesagt wird, sondern vor allem wegen den Freakouts, die ihre Konzerte begleiten. Hier verkrustet keine Struktur.

UNERHÖRT! Musikfilmfestival Hamburg

Unerhoert! FilmfestivalFilme über Musikbewegungen und ihre soziokulturellen Hintergründe, Filme über besessene Musiker und Filme über Festivals mit Legendenstatus: Das und mehr gibt es beim UNERHÖRT! Musikfilmfestival zu sehen, das sich Filmen und Dokumentationen zum Thema Musik widmet und die Vielfalt beider Welten – die der Musik und die der bewegten Bilder – zusammenbringen will. Wettbewerbe, für die Musikfilmschaffende ihre Arbeiten einreichen und von einer Fachjury bewerten lassen können, umrahmen das breite Spektrum an Klassikern und Geheimtipps der Musikfilmgeschichte, das in den Hamburger Off-Kinos vorgeführt wird.

    Zur Einstimmung findet am 9. September im Berliner Eiszeit Kino zudem die UNERHÖRT! Nacht statt, bei der neben der Vorführung von Julian Nevilles Film »Lowlight NYC« auch Spex-Autor Tobias Rapp zugegen sein wird und aus seinem kürzlich erschienenen Buch »Lost and Sound – Berlin, Techno und der Easyjetset« vorlesen wird.

Grizzly Bear unterwegs zu uns

Grizzly Bear»They're an incredible band«, hielt Jay-Z kürzlich im MTV-Interview fest, nachdem er zu seiner Meinung gegenüber der Band Grizzly Bear befragt wurde. Und damit hatte das Lob noch längst kein Ende: Jay-Z, der kurz zuvor mit seiner Ehefrau Beyoncé und deren Schwester Solange auf einem Williamsburg-Konzert der Musiker aus Brooklyn gesichtet wurde und sich deutlich unterhalten zeigte, präzisierte: »The thing I want to say to everyone – I hope this happens because it will push rap, it will push Hiphop to go even further — what the Indierock movement is doing right now is very inspiring. It felt like us in the beginning. I hope that they have a run where they push Hiphop back a little bit, so it will force Hiphop to fight to make better music, because it can happen, because that's what Rap did to Rock.«

    Außerdem: die neue Grizzly-Bear-Single wird von Michael McDonald gesungen, auf der von Spex präsentierten Tour wird St. Vincent den Support geben.