Freitag, November 15, 2019

Tiny Vipers auf Tour

Tiny Vipers Spex präsentiertTiny Vipers ist Jesy Fortino, eine viel zu wenig beachtete Musikerin aus Seattle, die mit Akustikgitarre und Gesang geradezu geisterhafte Visionen entwirft. Ihre kraftvoll-erdige Stimme und das glühende Gitarrenspiel vermitteln dreierlei: Können, Willen und Grundehrlichkeit.

    Ab kommender Woche ist Fortino mit ihrem letztjährig auf Sub Pop erschienenen Album »Life on Earth« auf Akustik-Tournee durch Deutschland und Österreich, im Rahmen ihres Zwischenstopps in Berlin tritt sie gemeinsam mit der Múm-Mitbegründerin bzw. aus dem Animal-Collective-Umfeld stammenden Multiinstrumentalistin Kria Anna Valtýsdóttir alias Kria Brekkan auf.

Festland

Festland Welt verbrennt Tonträger Pop-Briefing Spex #325HÜBENER: Das Trio Festland aus Essen macht einerseits geradlinige Discorockmusik und andererseits Tanzpop auf Basis von immer wieder Ska- und Reggae-Rhythmen. Dazu singt Schlagzeuger und Sänger Thomas Geier Texte seines Malerfreundes Fabian Weinecke, die eine stete Balance zwischen Melancholie und Skurrilität wahren. Geier skandiert nicht, er singt mit sanfter Nicht-Stimme. Da der Impuls zum Weghören groß ist, wenn jemand schreit, fordert, drauflosappelliert – wie etwa bei den Blumfeld der Vor-Schlager-Phase, bei Tocotronic, bei den Fehlfarben mit Peter Hein als Sänger –, ist der eher stille Gestus von Festland so erfreulich. These: Mit sanfter Stimme gesungene Krassheiten sind wirkungsvoller als mit krasser Stimme gesungene. Wenn Festland vor vier Jahren im Stück »Wehtun« auf ihrem Debütalbum »An euren Fenstern wachsen Blumen« sangen: »Ich möchte in einer Welt leben ohne Faschisten«, dann klingt das noch heute beim Wiederhören so ungewohnt, weil hier keine Wut, sondern lediglich eine völlig private Art von Trauer, Sehnsucht und ästhetischem Widerwillen zu spüren ist. So würde auch Neil Tennant diese Texte singen.

Xiu Xiu: Neues Video zu »Dear God, I Hate Myself« &...

Das neue Xiu-Xiu-Musikvideo zum Albumtitelgebenden »Dear God, I Hate Myself« wird nicht jeden Geschmack treffen: So simpel, authentisch und effektiv, gleichzeitig aber drastisch rücken nur die wenigsten Künstler das Thema Bulimie auf die Agenda. Wo sich Jamie Stewart auf dem neuen wie auf den älteren Xiu-Xiu-Alben über seine Texte der Katharsis nur inhaltlich nähert, setzt seine neue Bandkollegin Angela Seo die Selbstreinigung für das Musikvideo in die Tat um:

Kammerflimmer Kollektief live

Mit seiner intuitiv verjazzten Sphären-Elektronik steht das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe schon seit Jahren für einen der elaboriertesten Pop-Entwürfe Deutschlands. Derzeit besteht die Gruppe aus Heike Aumüller, ihrem Mann Thomas Weber sowie Johannes Frisch. Das Trio puzzelt seine Musik aus Harmonium, Synthesizer, Kontrabass und neuerdings auch verstärkt aus Gesängen zusammen, und das nicht nur mit unbändiger Vitalität und schillernder Poesie, sondern vor allem mit beeindruckender Nervenstärke. Einen besseren Eindruck kann man sich in dem mit Hörproben aus ihrem neuen Album »Wildling« ausgestatteten Interview machen, in dem Thomas Weber über den Kompositionsprozess, Gesang und Instrumentierung von »Wildling« sowie die Bedeutung des Begriffs ›Psychedelia‹ für das Kammerfimmer Kollektief sprach.

     Spex präsentiert die heute beginnende Tour. Schade bloß, dass sie es im Rahmen des aktuellen Spielplans – sieht man von einem Konzert in den Sophiensaelen Berlin einmal ab – nicht nördlicher als bis zum Mülheimer Kulturbunker schaffen.

All Tomorrow’s Parties

ATP Spex praesentiert Karen O.Bei Warp Records’ Bewegtbild-Dependence Warp Films erschien unlängst eine DVD zu den All Tomorrow’s Parties, jener englischen Festivalreihe, die mehrmals jährlich im Camber Sands Holiday Camp in East Sussex und im Butlins Holiday Camp in Minehead, Somerset stattfindet. Für jedes Festival wird ein anderer Künstler bzw. eine Band mit der Programmgestaltung beauftragt, weshalb die Lineups stets einen anderen Geschmack widerspiegeln und dabei nicht selten die feinsten Geheimtipps mit Größen aller erdenklichen Genres vereinen.

    Im Februar und März geht die mit Gastbeiträgen von Les Savy Fav, The Gossip, Seasick Steve, Patti Smith, Daniel Johnston, Sonic Youth, David Cross, den Yeah Yeah Yeahs, Portishead, Animal Collective und vielen weiteren arbeitende Dokumentation, die weitaus mehr bereithält als nur Konzert-Mitschnitte, auf Kinotour in Deutschland – eine gute Gelegenheit also, sich von diesem Paralleluniversum einen Eindruck zu verschaffen. Und wer nun keine Zeit zum Kinobesuch hat, der kann den 82-minütigen Film auch als DVD bei Rapid Eye Movies erstehen.

Spex lädt ein: Party & Umtrunk zum Erscheinen der neuen Spex...

Freunde, Feinde, Interessierte: Die Spex-Redaktion lädt zum geselligen Beisammensein ein. Am kommenden Samstag, den 20. Februar 2010, feiern wir im Büro für postpostmoderne Kommunikation West Germany Berlin das Erscheinen der neuen Spex-Ausgabe #325. Der Deal gestaltet sich dabei so: Der Eintritt ist frei, die Getränke zahlt jeder für sich selbst, die Redaktion spielt dazu Musik vom Plattenteller und MP3-Player. Als besonderen Gast freuen wir uns außerdem den auf Dial Records veröffentlichenden Musiker und bildenden Künstler Christian Naujoks begrüßen zu dürfen, der dem Soundsystem des WestGermany ein tanzbares DJ-Set entlocken wird – zur Einstimmung kann man untenstehend seinen neuen Track »New Heaven & Earth« von der im März erscheinenden Compilation »Dial 2010« streamen. Die neue Ausgabe Spex #325 wird es leider nicht kostenlos geben – das sehen Sie sicherlich ein –, ein Verkauf vor Ort ist allerdings ebenfalls nicht vorgesehen. Aber kein Verzagen!

Deichkind in Müll

Wenn ein Konzert der Hamburger Formation Deichkind ansteht, hat man immer ein bisschen das Gefühl, der Zirkus sei in der Stadt. Und auch wenn die Formation immerhin schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, gilt sie immernoch als sichere Bank, wenn man sich mal wieder so richtig das Hirn durchspülen lassen will. Mit ihrem manischen Mash-Up aus Hiphop, Electro und Freak-Theater treiben Deichkind die Euphorie in ausverkauften Hallen auf die Spitze. Da fragt man sich schon, ob das noch ein Konzert ist oder schon ein kultisches Ritual zur Beschwörung mächtiger Götter. Jedenfalls tropft bei diesen szenischen Happenings jede Menge Flüssigkeit von der Hallendecke – wobei es sich freilich nicht ausschließlich um Kondenzwasser handelt.

    Weil aber der Feier-Imperativ auch sein Gegengewicht braucht, präsentieren Deichkind im Frühjahr eine neue, nachdenklichere Form des Wahnsinns: »Deichkind in Müll«, eine von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Koproduktion der Band mit dem Hamburger Theaterhaus Kampnagel. Neben der Premiere in Hamburg wurden außerdem ein Termin in Krems bestätigt, außerdem kann man nun den Deichkind-Remix von Tocotronics »Macht es nicht selbst« streamen.

Nuevos Ricos

Nuevos RicosEinen tiefen Einblick in die Subkultur Mittelamerikas gibt noch bis zum 14. Februar die Kunsthalle Fridericianum in Kassel: Im Dezember eröffnete dort die Ausstellung »Nuevos Ricos« des aus Mexiko-Stadt stammenden Künstlers und Labelbetreibers Carlos Amorales, nach dem jüngsten Auftritt des Hamburger dAdA-Pop-Künstlers Felix Kubin wird nun am kommenden Freitag der Niederländer Dick el Demasiado die Ausstellung mit einer Konzertperformance beenden.

La Roux live

La Roux Live TeaserDas britische Duo La Roux – bestehend aus der blutjungen Elly Jackson sowie dem Produzenten Ben Langmaid – hat mit seinem bislang einzigen Album »La Roux« nicht nur in den Spex-Redaktionscharts 2009 den ersten Platz belegt, sie wurden kürzlich außerdem für die Brit-Awards als beste britische Durchbruchskünstler sowie für die beste Single nominiert. Ihr einzigartig homogenes Sounddesign ist irgendwo zwischen kühler Electronica und Autoscooter angesiedelt, dazu klingelt uns noch immer Skreams fantastischer Dubstep-Rave-Remix von »In for the Kill« in den Ohren. Wie sie im ›Quicksand‹-Video an der Ananas lehnte, wie sie im ›In for the Kill‹-Video im Toyota saß, wie sie gut geföhnt Eurythmics und Yazoo emulierte: Einfach alles an Elly Jackson hatte Klasse. Ab Ende Februar kommen La Roux für fünf von Spex präsentierte Shows in den deutschsprachigen Raum, dazu gibt es einen Musikvideo-Remix zu einem Single-Remix.