Samstag, Juli 4, 2020

Christian Naujoks live

Christian Naujoks TeaserChristian Naujoks zeigte mit seinem Debüt »Untitled«, wie man aus filigranen Klavierkompositionen und dezenter Electronica eine von melancholischer Eleganz durchzogene Atmosphäre erschaffen kann. Die meisten Stücke darauf hat er für Ausstellungen verfasst. Eine neue Musikperformance Naujoks’ kann man im November bei der Ausstellung »Lecture Performance«, die sich künstlerischer Selbstinszenierung widmet, im Rahmen der »Langen Nacht der Kölner Museen« erleben. Außerdem stellt er am Samstag in Hamburg seine neue EP »East End Boys« vor.

Die Improvisateurs aus Alphaville

Kreidler Platte der Ausgabe Mosaik 2014 Cover

Das neue Album der auf der Achse Düsseldorf-Köln-Berlin operierenden Band Kreidler spielt mit dem Gedanken, dass es erkenntnisstiftend sein kann, wenn man sich über die Zeit stellt. Kreidler denken in einer Art Retro-Futurismus das 20. und das 22. Jahrhundert zusammen. Ihre Science Fiction vereint Grundgedanken der Kybernetik, also der Wissenschaft der Kommunikation und der Kontrolle von lebenden Organismen und Maschinen, mit Godards Spielfilm »Alphaville« – der spielte in Paris Orly, durch dessen gläsernes, die Zukunft manifestierendes Labyrinth man sich auch heute noch bewegt, wenn man als Easy-Jetsetter in Paris landet.

    Frage: »Mosaik« im Sinne von »Labyrinth«?

Beak>

Eines ist sicher: Wenn in drei Wochen das Debüt von Beak> in den Plattenregalen steht, wird das Album zunächst vielen Menschen vor den Kopf stoßen. Es handelt sich dabei zwar um das neue Projekt von Porthisheads Geoff Barrow, aber es ist eben kein Aufguss von Portishead, sondern vielmehr ein zu erschließendes düsteres Krautrock-Album, eine stoische, bockige Rhythmus-getriebene Platte mit gelegentlichem Gesang, der obendrein auch noch schleifend, wie aus der Ferne gesungen wirkt. Gemeinsam mit Matt Williams und Billy Fulle arbeitet Barrow nun seit Beginn des Jahres als Beak>, im Januar nahmen sie die ersten Sessions für das gleichbetitelte Album auf. Das aufwändig gestaltete Box-Set ist nun fertig, nächste Woche spielen Beak> eine exklusive Show in Berlin.

Warp 20: Jubiläums-Doppelsause in Berlin

Berghain Warp 20 TeaserDie ersten Lieferungen der Jubiläums-Box erreichten in den vergangenen Tagen ihre Empfänger: Mit einem äußerst umfangreichen Box-Set begleitet das britische Electronica-Label Warp Records derzeit die Geburtstagsfeierlichkeiten, schlicht »Warp 20« betitelt. Da die zahllosen auf Warp veröffentlichten Acts und Alben aber stets auch einen Bezug zur Clubkultur hatten, wird das aus London operierende Label verschiedene »Reallife«-Feiern ausrichten, eine davon findet an zwei Tagen im Berliner Club Berghain statt.

Shannon Wright: Einzige Deutschland-Show heute in Berlin

Shannon Wright Live Berlin TeaserAlleine angesichts der zahlreichen Shows, die sich Shannon Wright mit unter anderem Low, Nick Cave, Dirty Three, Will Oldham, Calexico oder Sleater-Kinney teilte, lässt sich abzählen, wie tief verwurzelt in der düsteren amerikanischen Folk-, Punk- und Roots-Rock-Ästhetik die vollinstrumentierte Musik der aus Atlanta stammenden Songwriterin klingt.

    Ihr siebtes Album »Honeybee Girls« erschien soeben auf dem Kölner Label Unter Schafen Records (bzw. auf der amerikanischen Touch&Go-Tochter Quarterstick Records), heute Abend gastiert sie für ein einziges Deutschland-Konzert im Berliner Magnet Club. Dabei wird sie begleitet von ihrem Bassisten Andy Baker und dem Drummer Brant Rackley (Japancakes), bevor es gemeinsam auf eine umfangreiche Live-Tournee durch Frankreich geht – dort ist Shannon Wright spätestens seit ihrer Kollaboration mit dem Filmkomponisten Yann Tiersen landesweit bekannt.

Lou Reed’s Metal Machine Trio

Lou Reed Plakat TeaserDer Bruch, den Lou Reed 1975 mit der epochalen Feedback-Studie »Metal Machine Music« seinem damaligen Schaffen gab, erscheint relativ ob der Tatsache, dass über dreißig Jahre später das Kammerorchester Zeitkratzer mit großem Erfolg eine von Ulrich Krieger grandios arrangierte Version einspielte. Im Oktober sollte das Metal Machine Trio um Lou Reed, Ulrich Krieger und Sarth Calhoun in ausgewählten Konzertsälen und Theatern »A Night of Deep Noise« aufführen. Keine Songs. Nur ein Driften durch die Zeit. Diese Tournee fällt nun leider aus.

Patrick Wolf ab Dienstag auf Tour



Entschuldigt hat er sich für seinen Ausraster während des diesjährigen c/o pop-Festivals schon längst – ehrlich, aufrichtig und vor allem öffentlich. Weshalb es unserer Meinung nach wirklich keinen Grund gibt, die morgen beginnende und von Spex präsentierte Tour des britischen Folk- und Elektronikkünstlers Patrick Wolfnicht zu besuchen.

    Und: Eine großartige Platte wie »The Bachelor« gibt es sicher nicht alle Tage. Seine einschmeichelnde Mischung aus introvertierten Gedanken, kanonisierter Musikgeschichte und hochmoderner Soundtechnologie verpackt Wolf nicht selten in simplen Mainstream-Formeln. Live kommt das mindestens ebenso catchy wie im stillen Kämmerlein.

Tex vs. Erobique vs. Jacques Palminger

Songs for Joy TeaserBerlin im September ist sehr schön, die Sonne scheint, die Menschen sind gut gelaunt und … – Ach was, genug der Befindlichkeiten: Geht man nach dem neuesten Teil der »Songs for Joy«-Veröffentlichungsreihe der drei Zampanos Jacques Palminger, Erobique und Chris Dietermann, so muss es lauten: »Berlin im November ist nicht schön / die Wolken hängen tief / grauer Himmel hüllt die Seele ein / Der Tag ist trüb und zäh / wie die Spree / die sich Aspahltgrau durch die Kanäle schleicht«. Im Oktober präsentieren sie die neue Platte im Maxim-Gorki-Theater Berlin, außerdem gastiert das Duo Tex & Erobique anlässlich Geburtstagsfeierlichkeiten im Festsaal Kreuberg, am morgigen Samstag in Zürich.

Reeperbahnfestival 2009

Reeperbahnfestival 2009

Ein urbanes Musikfestival versuchten bereits viele Veranstalter ins Leben zu rufen, die wenigsten wurden dabei aber wohl dem eigenen Anspruch gerecht: Urbanität lässt sich nicht mit Stellwänden, Postern und einer übergeordneten Werbe-Kampagne erzeugen, sie muss vor Ort existieren. Im Falle des Reeperbahnfestivals ässt sich festhalten, dass hier Anspruch und Authentizität perfekte Bande eingehen.

    Dabei mag der Kiez der Hamburger Reeperbahn zwar längst nicht mehr den ruchlosen Geist früherer Tage tragen und sich langsam Richtung Schickeria und Junggesellenabschieds-Absturzstelle entwickeln, aber all dies tut dem oft schäbigen, ranzigen und interessanten Stadtbild keinen Abbruch. In seinem vierten Jahr zeigt sich das Reeperbahnfestival inhaltlich umfangreich, geschmacklich sicher und passend zum Veranstaltungsort aufgestellt.