Mittwoch, Dezember 11, 2019

Die Türen live

Türen on3 Lesereihe TeaserEs muss ja nicht immer der gleiche Trott aus 1. »Hallo, wir sind Die Türen und unser erster Song ist gegen den Staat«, 2. Dengel-Dengel Dengel-Dengel, 3. Applaus, 4. Zugabe, 5. Backstage sein – Lesungen beispielsweise bringen dem fortschrittlich denkenden Musiker neuen Schwung in den öden Alltag zwischen Probenkeller, Studioraum und Tourbus. Die Berliner Band Die Türen ist ab heute im Auftrag des Wortes in Süddeutschland unterwegs, im Rahmen der Lesereihe des Radiosenders on3 werden Sänger Maurice Summen und Bassist Ramin Bijan einen eigens niedergeschriebenen Text vorlesen und damit die Bühne für eine ganze Reihe junger Nachwuchsautoren aufwärmen.

Peaches »I Feel Cream«

Peaches I Feel Cream TeaserKeine Lo-Fi-Ästhetik mehr wie bei »Take On You«, nun gibt es bei Peaches ironisch vorgetragene Klischee-Bilder zu Glamour, Hetereo-Sex-Appeal und Fashion: Für ihr neues Video zum von Drums of Death und Simian Mobile Disco Song produzierten Song »I Feel Cream« ließ sich Peaches von Partizan-Regisseurin Kinga Burza mit fetten Schulterpolstern, durchsichtigem Mantel und in hüfthohen Schürstiefeln ablichten, Cory Enemy liefert den dazu passenden Großraumdisco-Remix.

    Im Anschluss an ihre Ende Oktober beginnende ausführliche USA-Tournee wird Peaches außerdem zwei von Spex präsentierte Deutschland-Shows spielen, Mitte Dezember besucht sie die größeren Konzerthäuser in Köln und Berlin.

»Nicht neu für mich, sondern neu als solches«

John Maus TeaserAnfang des Monats teilte der amerkianische Musiker und Philosophie-Dozent der staatlichen University of Hawaiʻi at Mānoa John Maus über seine Online-Präsenzen mit, dass er in Kürze die New Yorker Band Chairlift als Keyboarder auf deren Europa-Tournee begleiten würde und für die fraglichen Termine auf der Suche nach Einzel-Shows sei. Wenige Tage später standen bereits die ersten Konzerte, nun wurden auch die beiden anderen Shows in Leipzig und Hamburg bestätigt.

    Maus, 29 Jahre alt, arbeitet bereits seit seinem elften Lebensjahr in Sachen Musik. Seit Ende der Neunziger war er in Ariel Pinks Underground-Avantgarde-Projekt Haunted Graffiti und als Tour-Keyboarder für Panda Bear tätig, um 2006 auf dem Label Upset! The Rhythm sein erstes Solo-Album »Songs« und ein Jahr später das furiose »Love is Real« zu veröffentlichen – ein von flott klimpernden Synthesizer-Sounds, flächig ausgewalzten Ambiencen und hämmerndem Drumcomputing geprägtes Album, über dem in allen Stücken Maus’ repititiver und ultra-baritoner, an Ian Curtis erinnernder Gesang stand.

Mudhoney

Im vergangenen Jahr testeten Mudhoney nach jahrelanger Auszeit ihren heutigen Marktwert und legten auf ihrem alten und aktuellen Label Sub Pop Records ihr aktuellles, achtes Album »The Lucky Ones« sowie die Wiederveröffentlichung von »Superfuzz Bigmuff« auf. Jene Debüt-Platte von Mudhoney wurde zwar etwas klanglich etwas optimiert, fühlte sich dabei aber so rau und kantig wie je zuvor an. Abgesehen davon, dass man darauf auch neun Stücke einer Berlin-Show von Mudhoney hörte, aufgezeichnet vor nunmehr einundzwanzig Jahren.

    Am morgigen Donnerstag spielen Mudhoney also erstmals seit Ewigkeiten wieder in Berlin – seit vierzehn Jahren, um ganz genau zu sein –, präsentiert von Spex und ohne Garantie auf zeitnahe Wiederholung dieser Show.

Mulatu Astatke & The Heliocentrics

Mulatu Astatke LiveWie ansteckend der Groove von Mulatu Astatke, des 66-jährigen Wegbereiters des äthiopischen Jazz, ist, lässt sich wunderbar an diesem Eigenexperiment abschätzen: Man greife zu der am Freitag erscheinenden Astatke-Werkschau-Compilation »New York - Addis - London – The Story of Ethio Jazz 1965-1975«, skippe bis zum sechsten Stück »Yègellé Tezeta« und beschalle damit seine nähere Umgebung – in den meisten Fällen dürfte sich der Effekt freudig mitnickender Köpfe einstellen, einigen Hörern wird der von der Hammond-Orgel und Trompete begleitete Rhythmus schwer bekannt vorkommen. Ein Effekt, der bei den beiden von Spex präsentierten Shows von Mulatu Astatke & The Heliocentrics im Publikum ebenso auftreten dürfte.

Sunn O))) – Thorr’s-Hammer-Reunion, Zusatztermine im Oktober

Sunn O))) TeaserBei den wenigsten dürfte diese Meldung juchzende Glücksgefühle hervorrufen, aber nicht viel anders ist es ja auch bei Sunn O))) und ähnlich musikalisch gelagerten Themen: Doom-Drone-Bands wie Stephen O’Malleys und Greg Andersons Sunn O))) sind nicht wirklich populär, sie spielen Musik abseits der Nische, haben ein durchaus großes Publikum, werden aber oft genug wegen dem Metal anhaftender Klischees als nicht ganz so voll genommen – was merkwürdig ist, schließlich ist ihre Musik markerschütternd im positivsten Sinne.

    So liegt die Sache auch bei Thor’s Hammer, dem mächtigen,1994 von Anderson und O’Malley initiierten Projekt, dem nachgesagt wird, insgesamt nur sechs Wochen lang aktiv gewesen zu sein. Im April nächsten Jahres kann man nun das erste Thorr’s-Hammer-Konzert auf dem europäischen Festland sehen, außerdem haben Sunn O))) drei weitere Shows in München, Schorndorf und Leipzig bestätigt.

Christian Naujoks live

Christian Naujoks TeaserChristian Naujoks zeigte mit seinem Debüt »Untitled«, wie man aus filigranen Klavierkompositionen und dezenter Electronica eine von melancholischer Eleganz durchzogene Atmosphäre erschaffen kann. Die meisten Stücke darauf hat er für Ausstellungen verfasst. Eine neue Musikperformance Naujoks’ kann man im November bei der Ausstellung »Lecture Performance«, die sich künstlerischer Selbstinszenierung widmet, im Rahmen der »Langen Nacht der Kölner Museen« erleben. Außerdem stellt er am Samstag in Hamburg seine neue EP »East End Boys« vor.

Die Improvisateurs aus Alphaville

Kreidler Platte der Ausgabe Mosaik 2014 Cover

Das neue Album der auf der Achse Düsseldorf-Köln-Berlin operierenden Band Kreidler spielt mit dem Gedanken, dass es erkenntnisstiftend sein kann, wenn man sich über die Zeit stellt. Kreidler denken in einer Art Retro-Futurismus das 20. und das 22. Jahrhundert zusammen. Ihre Science Fiction vereint Grundgedanken der Kybernetik, also der Wissenschaft der Kommunikation und der Kontrolle von lebenden Organismen und Maschinen, mit Godards Spielfilm »Alphaville« – der spielte in Paris Orly, durch dessen gläsernes, die Zukunft manifestierendes Labyrinth man sich auch heute noch bewegt, wenn man als Easy-Jetsetter in Paris landet.

    Frage: »Mosaik« im Sinne von »Labyrinth«?

Beak>

Eines ist sicher: Wenn in drei Wochen das Debüt von Beak> in den Plattenregalen steht, wird das Album zunächst vielen Menschen vor den Kopf stoßen. Es handelt sich dabei zwar um das neue Projekt von Porthisheads Geoff Barrow, aber es ist eben kein Aufguss von Portishead, sondern vielmehr ein zu erschließendes düsteres Krautrock-Album, eine stoische, bockige Rhythmus-getriebene Platte mit gelegentlichem Gesang, der obendrein auch noch schleifend, wie aus der Ferne gesungen wirkt. Gemeinsam mit Matt Williams und Billy Fulle arbeitet Barrow nun seit Beginn des Jahres als Beak>, im Januar nahmen sie die ersten Sessions für das gleichbetitelte Album auf. Das aufwändig gestaltete Box-Set ist nun fertig, nächste Woche spielen Beak> eine exklusive Show in Berlin.