Sonntag, Juni 16, 2019

Mile Me Deaf „HDD Backup“ / Review

Einiges an Stoff bietet „HDD Backup“ von Mile Me Deaf, das neue, 28 Songs schwere Album der Wiener Indieband. Denn auf dem blicken sie zurück auf ihr vierzehnjähriges Bestehen und ihr musikalisches Erwachsenwerden, ohne sich dafür zu stolz zu sein, auch die eher schiefen Töne aufzunehmen. Was vielmehr eine Collage als eine homogene Liedauswahl entstehen lässt, die gerade wegen ihres Mixtape-Moments so unterhaltsam ist. Fazit? Sogar die Resterampe von Mile Me Deaf klingt besser als die Aushängeschilder der meisten anderen Bands.

Barbara Morgenstern „Unschuld und Verwüstung“ / Review

„Unschuld und Verwüstung“, das neue Album von Barbara Morgenstern könnte als latenter Soundtrack für den Widerstand gegen den Leistungsdruck von außen taugen. Im Wissen nämlich, dass alles „schlechter als besser“ werden könnte, formuliert die gebürtige Hagenerin den schüchternen Wunsch, sich nicht mürbe machen zu lassen. So erinnert sie sich mit entrücktem Gesang an den Rat ihres Vaters: Tu nur das, was dich glücklich macht.

Marie Davidson „Working Class Woman“ / Review

Zwar klingt der Titel „Working Class Woman“ von Marie Davidsons neuem Album nach Gesellschaftskritik, vor allem aus der Sicht von Frauen. Doch in Wahrheit sind die darauf behandelten Themen eher allgemein – was den Inhalt betrifft, aber auch die herangezogenen Motive. Was bleibt sind Songs, die zum Tanzen, aber keineswegs zum Boykott motivieren.

Phosphorescent „C’est la vie“ / Review

Es scheint, als wüsste Phosphorescent, dass da etwas schief gelaufen ist auf seinem neuen Album, dessen Titel C'est la vie man auch als selbstironischen verstehen könnte. Er ist aber eher Indiz für das Problem: Phosphorescent will die großen Themen besingen, scheitert dabei aber an mangelnder Innovation.  

Empress Of „Us“ / Review

Auf ihrem neuen Album „Us“ suggeriert Empress Of keineswegs einen Fokus auf eine imaginierte Paarbeziehung, auch wenn sich Liebe, Lust und das Leiden am Verlust dieser beiden Dinge durch das Album ziehen. Vielmehr bezeichnet die Musikerin damit die Beziehung zwischen sich selbst und ihren Hörer_innen. Ihr Publikum soll sich in ihrer Arbeit spiegeln können. Und tatsächlich fällt es leicht, sich in vielen der Songs emotional einnehmen zu lassen. „Us“ klingt eingängig, aber nicht beliebig.

Karies „Alice“ / Review

Die Stuttgarter Band Karies beweist auf ihrem aktuellen Album aufs Neue, dass ihre Musik mindestens ebenso ansteckend wie ihr Name klingt. Anders als auf den zwei stoischen wie düsteren Vorgängern schafft „Alice“ das aber mit breiteren Sounds und poetischen Texten. Mut zur Farbe!

Planningtorock „Powerhouse“ / Review

Für die nicht-binäre, genderqueere Wahlberlinerin Jam Rostron alias Planningtorock war das Spiel mit verschiedenen Rollen und Geschlechtern, die Maskierung und gleichzeitige Demaskierung, jahrelang vor allem Überlebensstrategie. Ein zäher Abnutzungskampf, den sie vor allem für sich selbst bestritt. Das aktuelle Album „Powerhouse“ allerdings klingt nach geglückter Selbstfindung, zurückzuführen auf Durchhaltevermögen, Disziplin und jeder Menge Mut.

Doppelreview: Kurt Vile „Bottle It In“ vs. Fred Thomas „Aftering“

Kurt Vile und Fred Thomas zeigen auf ihren aktuellen Alben, dass sie inneren Frieden geschlossen haben mit den Zuständen und dem Schicksal um sie herum. Was sich eher nach gelebter Weisheit als nach Resignation anfühlt. Nach und nach hat sich die in die Diskografien der beiden Musiker eingeschlichen, ohne ihnen dabei Inspiration und Ambition zu vergiften.

Element of Crime „Schafe, Monster und Mäuse“ / Review

Nichts Neues in Westberlin. Jedenfalls nicht auf der gefühlt 35. Element-Of-Crime-Platte namens „Schafe, Monster und Mäuse“. Über zwölf Tracks streift da Sven Regener, schlechtgelauntester Flaneur seit Thomas Bernhard, zwischen Charlottenburg und Kreuzberg umher, genervt von den spießigen Nachbarn, dem wolkenlosen Sommer, den Sportfanatikern, Ökofuzzis und Orthorektikern. Dabei gibt es diese spezifische Handschrift, die immer gleich ist und die man mag oder eben nicht. Und wer sie mag, der wird das aktuelle Album mögen, diesen musikalischen Hybriden aus Chanson, Folk und Country-Rock.