Casiotone For The Painfully Alone Vs. Children

Der Kampf um den längsten und seltsamsten Songtitel mit korrekter Ortsbezeichnung geht in eine neue Runde: Sufjan Stevens hatte auf »Come On Feel the Illinoise« gleich mehrere rekordverdächtige Obskuritäten vorgelegt. Casiotone For The Painfully Alone (CFTPA) alias Owen Ashworth kann ihm zwar nicht ganz das Wasser reichen, gibt sich aber leidlich Mühe: »Tom Justice, the Choir Boy Robber, Apprehended at Ace Hardware in Libertyville, IL« – inspiriert von der Verhaftung eines ehemaligen Arbeitskollegen Ashworths, der 26 Banken in den USA ausraubte – erzählt die Geschichte eines Kriminellen, der den Spitznamen »Chorknabe« bekommt, weil er beim Ausräumen der Safes den Kopf stets demütig gesenkt hält; freilich will er dadurch nur vermeiden, sein Gesicht in die Überwachungskameras zu halten. In der letzten Strophe kommen sodann Schuld und Sühne im simpel gestrickten Lo-Fi-Gewand zusammen: »And Tom I heard you were smiling / When the feds rushed in / Was it a kind of relief / To pay for your sin?«

    Die Reue zieht sich motivisch durch das gesamte fünfte Studioalbum von CFTPA, der sich mit »Vs. Children« nahezu durchgängig dem Thema der Schwangerschaft, des Erwachsenwerdens, der vertanen Chancen und des Eltern-Daseins widmet: Wie wäre es gewesen, wenn wir den Sohn bekommen hätten, der heute 15 Jahre alt wäre, fragt das lyrische Ich in »Natural Light«, während es in »Killers« die Freundin darum bittet, die Abtreibungs-Pille zu nehmen, da man ohnehin kaum füreinander sorgen könne. Abschließend werden die berühmten Zeilen David Bowies so traurig wie nie zuvor variieret: »We could be killers / Just for one night«. Es ist zum Heulen.

    Dass Ashworth schmerzhafte, anrührende und in ihrer überzogenen Selbstmitleidigkeit manchmal auch sehr komische Minidramen in seine Songs packt, ist hinlänglich bekannt. Und »Vs. Children« birgt auch einige seiner bis dato makellosesten und prägnantesten Texte. Musikalisch jedoch ist der von Ashworth und Jason Quever alias Papercuts produzierte Longplayer eher eine Enttäuschung. Die vorwiegend karge Instrumentierung mit Klavier, Orgel, Mellotron und Schlagzeug sorgt für wenig Abwechslung, das Tempo der Songs bleibt über weite Strecken gleich, nämlich gemächlich, schleppend und in den seltensten Fällen mitreißend. War die erst vor kurzem veröffentlichte Raritätensammlung »Advance Base Battery Life« noch erstaunlich vielseitig und angenehm widerborstig, konzentriert sich Casiotone For The Painfully Alone nun allzu sehr auf nur eine seiner Stärken: das Geschichtenerzählen. Die schludrige, kleinteilige Bastelarbeit hingegen, die beispielsweise den Sound von »Etiquette« so charmant machte, kommt hier eindeutig zu kurz.

LABEL: Tomlab

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 10.04.2009

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