Casiotone For The Painfully Alone Advance Base Battery Life

Das fünfte reguläre Album von Casiotone For The Painfully Alone, kurz CFTPA, namens »Vs. Children« soll im Frühjahr endlich veröffentlicht werden. Wer sich die Wartezeit angenehm verkürzen möchte, bekommt mit »Advance Base Battery Life« schon einmal einen Vorgeschmack auf das, was da kommen mag. Wobei: Ist diese Raritäten-Sammlung nicht vielmehr der ganz und gar nicht bittere Nachgeschmack des vor drei Jahren erschienenen »Etiquette«? Denn Owen Ashworth, der mit »Don’t They Have Payphones Wherever You Were Last Night« einen der schönsten Titel der jüngeren Pop-Geschichte aus dem Ärmel geschüttelt hat, suchte dafür all den wundersamen Kram noch einmal heraus, den er zwischen 2004 und 2007 auf Compilations, Split-Singles und streng limitierten Vinyl-Kostbarkeiten versteckte.

    Nur zwei der insgesamt fünfzehn darauf vertretenen Tracks waren zuvor überhaupt auf CD zu hören. Also, alten Resten eine Chance: Der für den Lo-Fi-Meister typische Sound überwiegt freilich auch hier: Billig-Elektronik, Heimorgel, Beats aus dem baufälligen Geräteschuppen – und Ashworths sonore Stimme wird durch den Vocoder gejagt, auf dass sie noch ein wenig fremder und trister klinge, so als habe er mal wieder nachts spontane Einfälle auf den Anrufbeantworter gesungen, weil gerade kein Stift zur Hand war. Seine Themen bleiben wie gewohnt unheilvoll, von einsamen Tränen im Kino (»The Only Way to Cry«) über »Lonesome New Mexican Nights« bis zu diesem feisten Burschen, der in der herrlichen Akustik-Ballade »It’s a Crime« die aus der Ferne Angebetete küsst: »Yeah, it’s a crime that you’re kissing on that girl for all to see / And it’s a crime that she’s going home with you and not with me.« So ungerecht ist die Welt.

    Gerechtigkeit lässt Ashworth allerdings einigen Künstlern widerfahren, die er mit Coverversionen beehrt. Dass darunter Stücke von Missy Elliott (»Hot Boyz«), Paul Simon (»Graceland«) und gleich zwei von Bruce Springsteen sind, dürfte indes überraschen und bezeugt einmal mehr die musikalische Bandbreite von CFTPA. Für »Born in the USA« und »Streets of Philadelphia« hat der bastelnde Einzelgänger sogar seinen Bruder Gordon mit ins Boot geholt. Der zerschreddert mit seinem Ambient-Noise-Projekt Concern eine alte Nummer des ›Boss‹ genüsslich, die andere lässt er etwas lustlos vor sich hin pluckern. Die Spannung eines durchdachten Albums will sich zwar hier naturgemäß nicht aufbauen, aber auch so finden sich auf »Advance Base Battery Life« genügend krude, ironische oder tieftraurige Songs, die nicht auf B-Seiten verkümmern sollten.

LABEL: Tomlab

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 06.02.2009

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