Carl Craig – Ravel’s »Boléro« mit Moritz von Oswald, Live in Berlin und Paris

Maurice RavelDie »ReComposed«-Reihe der Deutsche Grammophon war bisher stets eine zweischneidige Sache. Für die ersten beiden Teile versuchten Matthias Arfmann und Jimi Tenor, dem Backkatalog des ältesten Klassik-Zulieferers Deutschlands neue Tendenzen bzw. Käuferschichten abzuringen. Arfmann hatte dabei als erster Künstler der Reihe einen schweren Stand, seine Dub- und Pop-Kombinationen von Herbert von Karajan floppten. Bei Jimi Tenor klangen Komponisten wie Steve Reich, Erik Satie, Edgar Varèse und Nikolai Rimsky-Korsakow schon stimmiger. Mitte Oktober erscheint nun der dritte Teil von »ReComposed« – diesmal mit Detroit-Techno-Legende Carl Craig und Basic-Channel-Mtbetreiber Moritz von Oswald.
Gemeinsam haben sich Craig und von Oswald den »Boléro« von Komponist Maurice Ravel (siehe Foto oben) vorgenommen. Das für klassische Musik auch heute noch äußerst populäre Stück entstand im Original 1928; je nach Interpretation des Werks konnte ein Komponist zwischen 14 und 17 Minuten aus dem »Boléro« herausholen. Das ist nun freilich nichts gegen die Craig/vonOswald’sche Leistung: auf insgesamt eine Stunde Spielzeit schraubten sie den Dreivierteltakter hoch. Dabei dienen die einzelnen Stücke »Intro«, »Movement 1« bis »… 4« sowie das »Interlude« lediglich dem Spannungsaufbau. Erst nach rund 37 Minuten beginnt mit »Movement 5« der dank seiner umfangreichen Streicherarrangements, den kraftvollen Bläsersätzen und der Lösung von der bisher klassischen Taktfolge das massivste Stück der Platte – von Oswald und Craig wagen dabei sogar den Einsatz einer straight wummernden Bassdrum, was den Boléro so zeitgemäß wie nie wirken lässt.

Craig und von Oswald stützten sich während dem Kompositionsprozess auf Mehrspuraufnahmen aus dem Jahr 1987, genauer auf »Boléro, Rapsodie espagnole« (Ravel) in einer Fassung der Berliner Philharmoniker unter Leitung Herbert von Karajans, sowie auf »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgyks. Weitere Kollaborateure an der rein instrumentalen »ReComposed«-Aufnahme sind Kelvin Sholar sowie der Honest Jon’s-Grafiker Will Bankhead. Veröffentlicht wird der dritte Teil der »ReComposed«-Reihe am 17. Oktober bei Deutsche Graqmmophon (Universal Music).

Carl Craig und von Oswald wird man auch Live erleben können: am Samstag, 18. Oktober spielt Craig in Paris, gemeinsam dem französischen Kammermusikorchester Les Siècles bringt man unter dem Titel »Versus« und unter Leitung von Dirigent François-Xavier Rot Stücke von Steve Reich (»City Life«) und Bruno Mantovai (»Streets«) auf die Bühne, außerdem sollen sechs Arbeiten Craig’s von Francesco Tristano für Orchester arrangiert und gespielt werden. Da auch Moritz von Oswald vor Ort sein wird, könnte es sich bei den sechs Stücken durchaus um Teile von »ReComposed« handeln. Wem das aber nun zu weit weg ist: Moritz von Oswald und Cral Craig stellen »ReComposed« auch ganz offiziell im Rahmen der PopKomm 2008 auf der nagelneuen Anlage (mehr …) des Berliner Berghains vor.


VIDEO: Maurice Ravel / Berliner Philharmoniker & Herbert von Karajan – Boléro

Carl Craig & Moritz von Oswald – Boléro ReComposed:
01. Intro
02. Movement 1
03. Movement 2
04. Movement 3
05. Movement 4
06. Interlude
07. Movement 5
08. Movement 6

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