Review: Caribou Andorra

Sie nannten ihn Manitoba, bis Handsome Dick Manitoba kam, ein dummer Punkrocker, und merkwürdigerweise auch noch Recht bekam in seiner dummen Behauptung, kein Mensch dürfe sich Manitoba nennen außer ihm. Naja, Caribou ist auch schöner, der Name, der Typ, die Musik. Es ist erschreckend zu hören, dass Caribous erste beziehungsweise Manitobas zweite, also »The Milk Of Human Kindness«, in Deutschland wohl nur als Import zu haben war. Ich habe das 2005 gar nicht weiter mitgekriegt, hatte jedoch wirklich gute Gründe in anderweitigen Beschäftigungen. Einsteigen lässt sich aber auch so sehr gut, zwischen »Up In Flames« und »Andorra« liegen circa 1000 Plateaus, und das macht ein ganz anderes Rechnen als das in Jahren oder gar Schritten.

     Mit »Niobe«, dem letzten Track auf »Andorra«, lässt sich der Stand der Dinge wohl erklären. Eine Fläche wird da hörbar, aus der sich ebenso gut ein Eurodisco-Stampfer herausbollern könnte wie ein Post-Beach Boys-Song. Wenn Dan Snaith dann mit dem Singen anfängt, klingt er wie eine Prä-Rafaelitische Jungfrauen-Leiche, total eingebettet in die bunte, die schöne, die vergehende Natur des Flussbetts und der Wasserlilien. Verzückt und introvertiert singt Snaith seine auf-und abwärts fließenden Tonfolgen. Sie bauen Spannung auf und Spannung aus, und doch liegt hinter dem nächsten Break wieder nur das nächste Bergtal. Es kommt nicht zum Ausbruch wie noch auf »Up In Flames«.

    Dafür aber liegt der Ausbruch ab gut der Mitte des Tracks so sehr hinter jeder Note, hinter jedem Beckenzischen, dass ich nicht vergessen darf, zu atmen. Ebenso wie das rhythmische Zucken hat der Londoner Snaith inzwischen seine Noise-Spuren in jeden Part seiner Songs eingearbeitet, statt sie schön langsam vorzubereiten und dann in die Vollen der Geräuschkanone zu gehen. So entsteht eine psychedelische Musik zur Zeit, in der kaum noch auseinanderdividiert werden kann, was vom Multiinstrumentalisten Snaith per Hand eingespielt und was mit den Maschinen produziert worden ist. Echo und Delay nivellieren die feinen Unterschiede. Die Caribou-Melodien sind von zwingender Leichtigkeit. Es flackert.

LABEL: City Slang

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 17.08.2007

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