Franz Josef DegenhardtBear Family Records macht sich um die Archäologie verdient und veröffentlicht die 10-CD-Box mit Buch »Die Waldeck« voller Original-Aufnahmen. Hier z.B. sehen wir Franz Josef Degenhardt. Er war regelmäßig Gast auf den Waldeck-Festivals: »Chanson Folklore International« wurde 1964 erstmals auf der Burg im Hunsrück veranstaltet und sollte bis ins Jahr 1969 einmal jährlich stattfinden. Die Wirkung war enorm: Bis dahin kaum bekannte Liedermacher wie Dieter Süverkrüp, Reinhardt Mey oder eben Degenhardt wurden im Laufe dieser Jahre zu allgemein bekannten Namen. Den Veranstaltern hatte ein jährliches Treffen vorgeschwebt, das sowohl Konzerte, als auch ein selbstbewusstes arbeiten am politischen Lied beinhalten sollte.
Vorbilder waren das Bauhaus in der Architektur und die Gruppe 47 in der Literatur. Deshalb wurden neben Studioauftritten und den großen Konzerten im Freien auch Referate gehalten, Diskussionsrunden angekündigt, Arbeitskreise eingerichtet. Die zunehmende Politisierung der Gesellschaft führte schließlich zumindest indirekt zum Ende des Festivals: Der Diskutierwille wurde stärker als das Sound-Bedürfnis, was im legendären, ’69 auf der Waldeck geäußerten Publikumsbefehl »Stellt die Gitarren in die Ecke und diskutiert mit uns!« mündete. Dann war Schluss, die Liedermacher wurden zum Genre, ab und an sollten noch ein Funny van Dannen oder Jens Friebe auftauchen.

V.A – Burg Waldeck
10-CD-Box mit Buch
Bear Family Records/ Indigo, bereits erschienen, ca. € 95

Foto: Franz Josef Degenhardt/ Koch Universal