Buju Banton – Vierter im »Reggae Compassionate Act«

BujuBantonEigentlich könnte es für Künstler eine Selbstverständlichkeit sein: Die deutliche Abkehr von Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Homophobie. Dass dem längst nicht so ist, konnte man hierzulande in den vergangenen Wochen am Beispiel des MCs G-Hot erfahren, der Dank seines Tracks »Keine Toleranz« von allen Seiten deutlich kritisiert wurde; bis hin zur öffentlichen »Richtigstellung«/»Entschuldigung« bzw. Kündigung seines Labels Aggro Berlin.
    Neu ist diese Diskussion nicht, lediglich in Bezug auf Künstler aus Deutschland wurde sie kürzlich gelenkt. International war das Problem weiter gefasst: Musiker wie Elephant Man, Buju Banton, Bounty Killer oder Sizzla gehörten zu den Reggae-Künstlern, die in ihren Texten immer wieder durch Homophobie glänzten, sich deutlich gegen Schwule aussprachen und – wie im Falle Banton’s – zum Mord an Homosexuellen aufriefen.

Seit 1990 setzte sich der Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell neben zahlreichen anderen Projekten aktiv für Toleranz gegenüber Homosexuellen ein, initiierte letztendlich gemeinsam mit OutRage! den »Reggae Compassionate Act«, um Reggae-Künstler zur Abkehr von ihrer schwulenfeindlichen Einstellung zu bewegen. Mitte Juni diesen Jahres konnte der erste Erfolg vermeldet werden: Sizzla (1), Beenie Man (2) und Capleton (3) gehören seitdem zu den ersten Musikern, die sich fortan Grundprinzipien der Reggae Community verpflichten wollen: Frieden und Gewaltfreiheit, Mutter Natur, One Love, Menschlichkeit, Toleranz und Positive Vibrations. Durch diese Selbstverpflichtung sollen Aufrufe zur Gewalt gegenüber Minderheiten möglichst ausgeschlossen, mindestens aber von der Reggae/Dancehall-Community delegimitiert werden.

Seit wenigen Tagen ist nun auch Buju Banton einer der Unterzeichner des »Reggae Compassionate Act«, das betreffende Schriftstück dazu kann auf Peter Tatchell’s Homepage eingesehen werden. Tatchell selbst formulierte die Einigung mit Sizzla, Beenie Man und Capleton einige Wochen zuvor mit den Worten: »The Reggae Compassionate Act is a big breakthrough and the singers‘ rejection of homophobia and sexism is an important milestone. We rejoice at their new commitment to music without prejudice. This deal will have a huge, positive impact in Jamaica and the Caribbean. The media coverage will generate public awareness and debate; breaking down ignorance and undermining homophobia. Having these major reggae stars renounce homophobia will influence their fans and the wider public to rethink bigoted attitudes. The beneficial effect on young black straight men will be immense.«

Ein wichtiger Schritt, sicherlich. Wie kredibel diese Selbstverpflichtung ist, bleibt hingegen abzuwarten. TOK, Bounty Killer und Elephant Man gehören zu dem Großteil der Community, die dem »Reggae Compassionate Act« bislang nicht zugestimmt haben.
    Buju Banton (bürgerlich: Mark Anthony Myrie) veröffentlichte 1992 das kontroverse Stück »Boom Bye Bye«. Darin forderte er dazu auf, die »Batty boys« (ein jamaikanischer Slang für Homosexuelle) mittels Kopfschuss zu töten. Ein Stück, das Banton in den vergangenen Jahren immer wieder auf Festivals aufführte. Banton selbst hat sich bisher weder von den Inhalten aus »Boom Bye Bye« distanziert, noch öffentlich zum »Reggae Compassionate Act« geäußert.

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