How not to run a Club

Es gibt eine Szene in Michael Winterbottoms Film »24 Hour Party People«, in welcher Tony Wilson, Radio-DJ und Fernsehmoderator bei Granada TV, Gründer von Factory Records und Entdecker von Joy Division, durch die leere Halle der Haçienda Manchester wandelte, sich kurz am ebenfalls leeren Tresen festhielt, um schließlich begeistert Richtung Bühne zu applaudieren, auf der sich Vini Reilly (Sänger von The Durutti Column) gerade bemühte, der riesigen Halle mit ihren Säulenkonstruktionen so etwas wie Leben abzugewinnen. Es müssen Abende wie diese gewesen sein, die den Ruf der Haçienda, den von New-Order-Bassist Peter Hook geleiteten Club, legendär machten.

    Bernard Sumner, der gerade mit Bad Lieutenant seine neue Band installiert, fasste die Vorgänge in der Haçienda im Spex-Gespräch zusammen: »Ich hatte das Gefühl, man schickte uns andauernd auf Tour, weil The Haçienda, und Factory Records ständig frisches Kapital benötigten. Das Gros der Toureinnahmen verblieb zwar bei New Order, aber die Einnahmen durch Tonträgerverkäufe wurden fast ausschließlich in der Haçienda und der Factory verbrannt. Tony Wilson, der Chef von Factory, verbuchte uns ständig rund um die Welt, damit wir fleißig Geld verdienten und auch sonst zufrieden waren. Oder man könnte sagen: Er hielt uns von Zuhause fern, damit wir auf Reisen nichts von der tatsächlichen Verwendung der Tantiemen bemerkten.«

    In seinem fünfzehnjährigen Bestehen konnte man The Haçienda wohl nie als kommerziellen Erfolg bezeichnen – aber als Ausgangspunkt beispielsweise der Acid-House- und Rave-Bewegung – Tony Wilson bezeichnete den Club mit der Factory-Katalognummer 51 in »24 Hour Party People« denn auch als soziales Experiment, dem sowohl Betreiber als auch Besucher Nacht für Nacht zuarbeiteten. Mit »The Haçienda: How Not to Run a Club«, einem neuen Buch sowie einer filmischen Dokumentation, erinnert sich nun Peter Hook an die Jahre zwischen 1982 und 1997. Darin liest man die detaillierte Geschichte von »Fac51«: Die Gründung, das Design-Konzept Peter Savilles und Ben Kelly, der reguläre Club-Betrieb samt seiner schleppenden Annahme seitens der Besucher, die legendären Nächte zwischen schwarz-gelb-bemalten Stahlträgern und DJ-Kanzel, die Schließung im Sommer 1997 und der Abriss des Gebäudes vor sieben Jahren skizziert Hook im Buch, begleitend berichten die Haçienda-Resident-DJs Jon Dasilva und Mike Pickering, die Empfangsdame Fiona Allen und der Einrichtungsdesigner Ben Kelly auf der DVD »Inside the Haçienda« von ihren eigenen Erinnerungen an den Club-Betrieb.

    Daneben hat Peter Hook auf zwei CDs eine Acid-House-Compilation mit Stücken von A Guy Called Gerald, Frankie Knuckles, Phuture, Adonis, Maurice, Fast Eddie, New Order und vielen anderen zusammengestellt, die neben der Buchveröffentlichung erhältlich ist. »The Haçienda: How Not to Run a Club« erscheint am 5. Oktober im Simon And Schuster-Verlag als Taschenbuch, in britischen Filialen der Kette HMV ist das Buch gemeinsam mit der DVD »Inside the Haçienda« erhältlich. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch das gefilmte Roundtable-Gespräch zwischen Hook, Saville, Kelly und der Journalistin Miranda Sawyer, in dem die Macher der Haçienda einen tiefen Einblick in das soziale und wirtschaftliche Gefüge des Clubs geben.


VIDEOInside the Haçienda (Trailer)


VIDEOHaçienda Fac51

2 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.