Bruno Pronsato „Why Can’t We Be Like Us“ / Review

Ein beunruhigtes Kratzen an der Oberfläche von Geheimnis verheißenden Hohlräumen: Der aus Seattle stammende und mittlerweile in Berlin ansässige Bruno Pronsato hat im Leben vor der Elektronik häufiger den Schlagzeugschemel in diversen Rockbands besetzt und in seine offiziellen Dokumente den Namen Stephen Ford hineingeschrieben. Ihm gelingt – nach mehr der Harmonie zugewandten Releases für Labels wie Orac und Philpot – mit seinem zweiten Album ein karges wie großartiges Stück Techno von zeitloser Eleganz, sinister und opak.

    »Why Can’t We Be Like Us« bezieht einen Großteil seiner unaufdringlichen Kraft an seinen Leerstellen, an Orten der Auslassung: zwar treibt standesgemäß eine gerade Bassdrum durch nahezu alle Tracks, auf diesem Album jedoch bleibt sie stets verhalten und schüchtern, dem Diktat der Peaktime will sie sich nicht fügen. Hier lässt sie Pronsato überraschend aussetzen oder wegdriften, da verebbt sie im düsteren Niemandsland. Im Hintergrund – man merkt: hier ist ein Drummer am Werk – sind entschlackte, polyrhythmische und wie in Fleisch und Blut eingespielte, Klöppeleien zu vernehmen. Sanft dringen aus der finsteren Kammer kristalline Glockenklänge, kleine, wie von Geisterhand dem Flügel entlockte Pianofiguren und vereinzelte Stimmschnipsel in selten gehörten Zungen ans Ohr. Sprechen sie etwa rückwärts zu uns? Ein Zischen, ein Hauchen: Durchs klappernde Gerüst flirren Störengeräusche, zwischen den intakt nebeneinander existierenden Formen und Bauteilen wird der luftleere Raum körperlich erfahrbar.

    Bei allem Minimalismus und gestrenger Ästhetik versäumt die Platte allerdings nie eine wohlige und schwindelerregende Sogwirkung heraufzubeschwören. Unter Hypnose stehend hören wir die jüngeren Werke von Pantha Du Prince und Ricardo Villalobos, oder auch runtergeschraubte und entkernte Cobblestone Jazz im Unterbewusstsein nachhallen. »Why Cant’t We Be Like Us« zeichnet das Bild einer mit samtenen Kissen ausgelegten Opiumhöhle in die Wahrnehmung. Es ist ein langer und verworrener Weg ins Herz der Finsternis.

LABEL: Word And Sound

VERTRIEB: RTD

VÖ: 08.02.2008

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