Broken Bells

Broken Bells Pop-Briefing Spex #325 Tonträger Cover PIEGSA: Brian Burton, unter dem Namen Danger Mouse bekannt als Messlattenhochleger hinter Gnarls Barkley, den Gorillaz und The Good, The Bad & The Queen, arbeitet auf »Broken Bells« zur Abwechslung mal nicht mit Damon Albarn zusammen, sondern mit James Mercer von The Shins. Das passt gut zu einem Aufsatz, den der Singer/Songwriter Chris Milam kürzlich unter dem Titel »Bored New World« auf der Website popmatters.com veröffentlichte. Dort behauptet Milam, dass es mit der amerikanischen (Gitarren-) Popmusik genau seit dem Moment bergab ging, als Natalie Portman 2004 in dem Film »Garden State« Zach Braff ihre Kopfhörer überstülpte und ihm mit den Worten »Das wird dein Leben verändern« den Song »New Slang« von The Shins vorspielte. Seitdem ist bekanntlich jeder, der den Film gesehen hat, heimlich verknallt entweder in Natalie Portman und/oder Zach Braff bzw. The Shins. Und seitdem – so argumentiert Milam – könnten sich alle weißen mittelständischen Mittzwanziger damit arrangieren, weiße mittelständische Mittzwanziger zu sein und nur noch Musik zu machen, die genauso klingt: nach Langweiler-Pop ohne gewagten ästhetischen Ansatz oder auch nur den Anflug irgendeines politischen Bewusstseins. Diese Kritik ist nicht neu, aber leider kann auch »Broken Bells« den Vorwurf der blutleeren, immergleichen Indie-Leierei nicht entkräften. Brian Burton, der einst so brutal Jay-Z und die Beatles im »Grey Album« zusammendachte, schafft es heute leider nicht mal ansatzweise, James Mercer die Shins auszutreiben. Wo man radikale Neuentwürfe zweier begabter Popmusiker erwartet hätte, klingt mindestens jedes zweite Lied so, als wäre es auch auf dem Shins-Album »Chutes Too Narrow« nicht aus dem Rahmen gefallen. Der Sound ist hübsch, aber wenn Innovation und Leidenschaft die Maßstäbe sind, dann schmeckt »Broken Bells« wie ein Kaugummi, das sich von 2003 bis in die Gegenwart zieht und nur am Anfang mal ganz lecker nach synthetischen Kirschen geschmeckt hat. Besser hätte es den beiden gestanden, wenn »Broken Bells« mehr als nur ein solides, behagliches, vertrautes, hier und da mit ein paar hiphoppigen Beats und Effekten verziertes Selbstcoveralbum geworden wäre. Damit unterscheidet es sich von den Platten anderer gestandener Indie-Helden wie Hot Chip, Die Sterne oder Yeasayer, denen dieser Tage auf ihre Weise jeweils überraschende, teils widersprüchliche, aber durchweg aufregende Alben gelungen sind.


VIDEO: Broken Bells – The High Road

    LUTZ: Was an dieser Platte ungeachtet aller angeführten Vorwürfe dennoch genial ist, ist auf einer Seitenebene die Produzentenleistung Brian Burtons. Man hört schon nach den ersten zehn Takten diesen charakteristischen Danger-Mouse-Sound heraus, eine echte Handschrift: Die aufs perfekte Volumen gebrachten Bässe, die Mariachi-Trompeten, die subtil verbaute Psycho-Orgel in »Vaporize«, die schwebenden Männerchöre in »Your Head Is on Fire« oder auch die gewollt gleichgültig dengelnde HiHat im fantastischen Eröffnungsstück »The High Road«: Diese Elemente klingen eben nicht nach Indie-Leierei, sondern sind wohlaustariert und typisch Danger Mouse. Und das ist ja nicht neu: Diesen Sound hörte man schon bei Burtons Soloprojekt Pelican City, ebenso bei den Black Keys und bei Dark Night Of The Soul. Die letzte Beck-Platte lebte gar fast ausschließlich von Burtons Kunstfertigkeit. Danger Mouse benötigt als Produzent immer nur wenige markante Sounds, doch die Art und Weise, wie er diese kombiniert und wie er deren Kräfte gegeneinander lenkt, beweist ein Gespür für Signatur.

 

LABEL: Sony BMG | VERTRIEB: Sony BMG | : 05.03.2010

STREAM: Broken Bells – Broken Bells

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