Wer Fernsehen schaut, kommt an der aktuellen Nike-Kampagne »Got Moves« kaum vorbei. Streetsmarte junge Menschen hantieren geschickt mit Flugscheiben und Bällen. Untermalt ist die Szenerie mit modern urbanen Soundscapes der Marke Neptunes. Hätten die Clip Regisseure Paul Hunter und Josh Taft um die Person Muffin Spencer und die Formation Brassy gewusst, wäre Pharell Williams ein Job durch die Lappen gegangen. Denn wenn es um credibile, straßenkluge, opinionleader-affine Musik geht, findet man in Muffin Spencer und ihren MitstreiterInnen eine höchst taugliche Besetzung. Brassy sind ein Viertel US-amerikanisch (Muffin) und zu drei Vierteln britisch (Stefan Gordon an der Gitarre, Karen Frost für Bass und Stimme und John Barrington an Drums und Plattenspielern). Muffins Bruder ist kein geringerer als Rock’n’Roll und Blues-Halbgott Jon Spencer. Musikalität runs in the genes. Die Rekombination Brassy kommt musikalisch weniger puristisch, aber ebenso auf den Punkt gebracht daher. HipHop-Beats, Punk Rock-Riffs und Midi Rap mit Singstimme. Die DIY-Akustik tut ein übriges, um in der Beschreibung Elastica, Le Tigre und für ruhigere Momente die Kostars sowie Lambs Louise Rhodes auf den Plan zu rufen. Dass der Vergleich dennoch zu kurz greift, liegt am genauen Fokus der Musik. Gettin Wise fasst in 40 Minuten 15 Tracks zusammen und keiner findet ein vorzeitiges Ende. Jedes Package ist tight gestrickt und atmet dennoch Leichtigkeit. Motto: Lässig immer, nachlässig nimmer.
    Brassy beweisen bereits seit zehn Jahren Stehvermögen im knapp honorierten Indie-Musik Biz. Das erste Label machte bereits nach 3 Singles pleite, aber Brassy erprobten auf unermüdlicher Tour die Grenzen der eigenen Belastungsfähigkeit und Spielfreude. Wiiija konnte nicht anders als aufmerksam werden und mit Anbeginn des neuen Jahrtausends fanden sich Brassy in guten Händen. Wer sich jemals mit Muffin unterhalten hat, der weiß, dass ihr das Biz als solches wenig schmeckt. Think Kontrollverlust und wenig Handhabe über die Rechte am eigenen Werk. So darf man vertrauensvoll annehmen, dass der Deal mit Motorola zum Re-release der ersten wahren Hitsingle »Play Some D« aus dem Jahr 2000, der einhergeht mit der Verfügbarkeit des Tracks als annehmbarem Klingelton, ein fairer ist. Fair, gut honoriert und unter Ausschluss des eigenen Ausverkaufs. Sicher ist auch: Das zugehörige Video schlägt Nike um Längen. Muffin in Original Siebziger Hot Pant Turnhöschen mit weißer Borte delivers her piece. Weit weit vorne, das.

LABEL: Wiija

VERTRIEB: EFA

VÖ: 19.08.2003