Boykotteure boykottieren? Diskussion zu BDS in der Volksbühne

In der Volksbühne Berlin findet am 18.01. die erste Ausgabe der Diskussionsreihe Popkultur & Identität statt. Dabei geht es vor allem um die Boykottbewegung BDS, die immer wieder auch bekannte Musiker für ihre Zwecke mobilisiert.

In der deutschen Linken ist man es fast schon gewohnt: Das Thema Nahostkonflikt spaltet die Geister wie kaum ein anderes und sollte wenn überhaupt nur sehr nuanciert diskutiert werden. Denn dass es bei einem derart komplexen Thema kein „Gut“ und „Böse“ gibt, dürfte eigentlich klar sein. Knapp 70 Jahre nach der Gründung Israels, 50 nach dem Sechstagekrieg und einen Monat nach der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch Donald Trump hat das Thema auch in der oft so explizit apolitischen internationalen Popwelt eine seltene Brisanz. Der Grund dafür: Die BDS-Bewegung.

BDS steht für Boycott, Divestment, Sanctions und wurde 2005 von verschiedenen palästinensischen NGOs als Bewegung gegründet, die auf die Unterdrückung der Palästinenser durch den israelischen Staat aufmerksam machen sollte. Die wirksamsten Coups gelangen der Bewegung dabei vor allem durch ein Netzwerk bekannter Musiker wie Pink Floyds Roger Waters, die wiederum Druck auf ihre Kollegen ausüben können, damit diese Auftritte in Israel oder mit israelischer Beteiligung absagen. Ende Dezember cancelte zum Beispiel auch die neuseeländische Künstlerin Lorde ein Konzert in Israel, auch beim Berliner Pop-Kultur-Festival 2017 sprangen mehrere Künstler, unter anderem die schottische Band Young Fathers, ab, als bekannt wurde, dass die israelische Botschaft 500 Euro für die Anreise der Künstlerin Riff Cohen beigesteuert hatte. Durch derartige Aktionen forderten kritische Stimmen wiederum zum Boykott der boykottierenden Künstler auf.

Um diese „Boykottspirale“ soll es unter anderem am 18.01. in der Volksbühne Berlin gehen, wenn dort  der erste Teil der Diskussionsreihe Popkultur & Identität stattfindet, der sich der Frage nach dem „Boykott der Boykotteure“ widmet. Auf der Bühne sprechen Andras Siebold, künstlerischer Leiter des Internationalen Sommerfestivals Hamburg, Martin Goldschmidt, der das einflussreiche Londoner Indielabel Cooking Vinyl führt und die Palestine Music Expo organisiert, die Komponistin und Leiterin des Chors der Kulturen der Welt Barbara Morgenstern und Christian Morin, Initiator der Diskussionsreihe und Kurator beim Pop-Kultur-Festival. Außerdem dabei ist SPEX-Autor Aram Lintzel, der sich schon in unserer aktuellen Jahresrückblicksausgabe No. 378 mit dem Phänomen BDS beschäftigt.

Aram Lintzels Text „Der Pop-Boykott der BDS-Kampagne: Kulturkampf gegen Israel“ erschien in unserer Printausgabe SPEX No. 378, die weiterhin im Kiosk oder versandkostenfrei im Shop erhältlich ist.

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