Mussten ihre Auftragsarbeit anscheinend unter widrigsten Umständen komponieren: Pedro Ojeda & Eblis Alvarez alias Chúpame El Dedo

Who’s bad? Und was fasziniert uns so am Bösen? Zwei bestimmende Fragen der letzten Wochen. Jetzt gibt es sogar das passende Festival dazu, die Böse Musik.

Das HKW in Berlin präsentiert nächste Woche den zweiten Teil seiner dreiteiligen Veranstaltungsreihe, die wiederum zur »kulturellen Grundlagenforschung« während des zweijährigen Programmschwerpunkts »Anthropozän« zählt. Bereits im Februar widmete man sich der »Unmenschlichen Musik«, und bevor es dann weiter geht zur »Doofen«, wird nun erstmal ab 24. Oktober bis zum 27. Oktober erkundet, was »Böse Musik« ist.

Zu den versammelten »Oden an Gewalt, Tod und Teufel« gehören dabei Konzerte etwa von The Schwarzenbach oder des Duos Chúpame El Dedo, hinter dem sich Pedro Ojeda (Romperayo) und Eblis Alvarez (Meridian Brothers) verbergen. Die beiden Kolumbianer verbinden in ihrer Auftragsarbeit die hiesigen Stile Tropical oder Cumbia mit Black Metal zum Columbian Dark Tropical. Ein Coup der Kuratoren ist sicherlich der Auftritt des Bundespolizeiorchesters – mit einem ausgewählten Marschprogramm.

Natürlich wird es auch um Musik als Waffe gehen, etwa im gleichnamigen Film von SesameStreet-Hauskomponist Christopher Cerf und Regisseur Tristan Chytroschek und im DJ Set von Hyperdub-Chef Kode9 (Interview). Zu den weiteren Filmvorführungen gehört die des fabelhaften Voodo-Blues-Roadmovies United States of Hoodoo. Ebba Durstewitz von JaKönigJa wird mit ihrer Lecture Performance Böse Instrumente außerdem einen Exkurs über die technischen Rahmenbedingungen dieser besonderen Musik geben.

Politisch wird es auch, etwa beim Panel »Böse Schwingungen – Mean Oscillations«, der das Zustandekommen von Klang- und Musikverboten innerhalb der menschlichen Geschichte thematisiert. Womit sich auch ein Bogen zurück zur ersten Performance, am Donnerstag, spannt: Für Pure Hate werden Ale Dumbsky, Robert Stadlober, Volkan T.error Raptexte aus aller Welt, die mal antisemitisch, mal homophob, mal sexistisch etc. pp. ausfallen, für eine große, entblößende Sprachkakofonie über der atonalen Musik von Jetzman zusammenwerfen. Die einleitenden Gedanken zum Festival wird vorab mit Dietmar Dath ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des Bösen formulieren.

Das gesamte Programm findet sich hier. Ein Festivalpass kostet 30, eine Abendkarte 8-10 €.