Born In Flamez „Impossible Love“ / Review

Auf die Gefahr hin, ins buzzword-Wespennest zu treten: Impossible Love steht exemplarisch für das, was von Berlin über London bis nach New York als Deconstructed Club Music gehandelt wird.

Bereits 2017 warf das CTM-Festival unter dem Motto „Fear Anger Love“ die Fragestellung auf, ob Emotionen an sich das Problem sind, oder jene Menschen, die sie als Deckmental für Ressentiments nutzen? Oder können Emotionen auch als Ausdruck radikaler Subjektivität gedeutet werden? „Fear Anger Love“, Titel des ersten Tracks auf der EP Impossible Love, antwortet mit einer foucaultschen Gegenfrage: Welche Restriktionen erlegen heteronormative Vorstellungen und Hyperkapitalismus queerer Liebe auf?

Die Arrangements des transhumanen Musikprojekts Born In Flamez formulieren eine Antwort mit den Mitteln des Sounddesigns: Texturen, Genres, Instrumente und damit Geografien und Zuschreibungen verschwimmen durch Filter und Effekte. Einzig die entrückte Stimme, die eine menschliche imitiert, sticht klar und deutlich hervor. In Songs wie „White Noise“ ertönt etwa mit tiefer Stimme: „I will never let you go“. Ob es sich um Drohung oder dramatische Liebeserklärung handelt? Obliegt den Hörenden.

The cyborgs are not alt-right, they are alright.

Auf die Gefahr hin, ins buzzword-Wespennest zu treten: Impossible Love steht exemplarisch für das, was von Berlin über London bis nach New York als Deconstructed Club Music gehandelt wird. Dabei wird dieses Subgenre oft als Percussion-lastiger Gegenentwurf zum hedonistischen Four-to-the-floor-Techno umschrieben, was allerdings zu kurz greift. Wie auch im Falle von Born In Flamez erfolgt der Zugriff auf Clubmusik aus der Theorie heraus: Nicht umsonst ist der Name an den 1983 erschienenen feministischen Science-Fiction-Film Born In Flames angelehnt. Der Spaß am Tanz steht dabei nicht im Vordergrund – aber auch nicht im Hintergrund. Die Tanzbarkeit entsteht durch die atmosphärisch-flächigen Synths, die wie im Song „Imperfect Core“ an defekte Maschinen oder das Durchknallen einer Sicherung erinnern. Während die Parole der Punks „no future“ lautete, könnte die Chiffre der Club-Dekonstruktivistinnen all hail the future sein. In diesen Zukunftsszenarien kämpfen geschlechtslose Roboter neben Menschen gegen Grenzen, Hierarchien und die Konservatismen unserer Zeit: The cyborgs are not alt-right, they are alright.

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