Body/Head „The Switch“ / Review

Cover: The Switch

Auf seinem zweiten Studioalbum The Switch verschmilzt das Duo Body/Head zur vollkommenen Einheit. Alle anderen werden mit Doppelkraft in tiefste Tiefen gestürzt. 

Wer am vergangenen Freitag einen Blick in den SPEX-Kalender geworfen hat, der konnte zwei Dinge sehen, die zunächst scheinbar nichts miteinander gemein hatten: Zunächst drohte da eine dick gedruckte Dreizehn über dem sonst so sehnlich herbeigesehnten Freitag, weshalb die Abergläubigen unter uns den Friseurtermin verschoben haben oder vielleicht sogar gleich zu Hause geblieben sind. Ein Rezept gegen die heimische Langeweile lieferte ohnehin schon der vorm Datum flüchtende Blick: die Veröffentlichung des neuen Body/Head-Albums The Switch. Da dieses mindestens ebenso unheilvoll klingt wie sein Erscheinungsdatum, ist reiner Zufall unwahrscheinlich.

Anders als auf dem ersten Studioalbum Coming Apart, auf dem sich Body/Head durch ‚improvisierte Feedback-Jams‘ gegenseitig in kathartisches Durcheinander trieben, sind sie nun von Beginn an eine Einheit. Eine, die harmonisch und disharmonisch zugleich bleibt. Kim Gordon und Bill Nace lassen ihre stark verstärkten E-Gitarren dröhnen und kratzen, während es im Hintergrund unheilvoll brummt und knistert, teils unterbrochen von schrillem unangenehmem Zittern. Gordons sehr selten eingesetzte Hauch-Stimme geht beinah unter in all den unheilvollen Klängen. Ihre Worte sind kaum zu verstehen, höchstwahrscheinlich geht der Plan aber genau deswegen auf: Body/Head wollen Atmosphäre schaffen.

als wäre man gefangen im beklemmendsten moment eines psychothrillers.

Denn jeder der fünf Songs kriecht wie schwelendes Unheil dahin. Eine Bedrohung wird spürbar gemacht, die doch nie zum Ausbruch kommt. So als wäre man gefangen im beklemmendsten Moment eines Psychothrillers, wenn sich nämlich die Musik bis zum dissonanten Dröhnen aufgebaut hat und das Publikum genau weiß, dass sich in nur wenigen Augenblicken alles in blutigem Gemetzel ergehen wird. Doch wenn der Schrecken auf der Leinwand dann erstmal vorbei ist, kann vor der Leinwand kurz aufgeatmet werden. Eine solche Verschnaufpause lassen Body/Head nicht zu.

The Switch ist ein (pardon!) Konzeptalbum, das Horror hörbar und fühlbar macht, und gleichzeitig auch ein visuelles Moment in sich birgt: Man sieht förmlich, wie Kim Gordon und Bill Nace gemeinsam auf der Bühne stehen und – wie für beide üblich – tranceartig ihre Gitarren mit Gegenständen traktieren oder sie einfach über den Boden schleifen. Und das auch ohne zuvor das Cover gekannt zu haben.

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