Bobby Womack ist tot, die Leidensstimme verstummt

Bobby Womack

Trauer um Bobby Womack: Der R&B- und Soul-Sänger, Hit-Songwriter und Gitarrist ist nach einem bewegten Leben im Alter von 70 Jahren gestorben. Womack war er erst vor Kurzem triumphal zurückgekehrt.

Seit zwölf Jahren hatte Bobby Womack kein Album mehr veröffentlicht. The Bravest Man In The Universe mutierte 2012 zu einer faszinierenden Rückkehr. Produziert von Richard Russell und Damon Albarn ließ Womack einen hier ganz nah an sich: Songs wie »Please Forgive My Heart« oder das Titelstück, vorgetragen im leidenschaftlich-brüchigen, Gospel-geschulten Bariton, berührten tief, zeigten sie doch einen gealterten Mann, der mit sich selbst ins Reine zu kommen versuchte.

Die Geschichten passten gut zu Bobby Womack und seinem Leben. 1944 in Cleveland als dritter von fünf Brüdern geboren, spielte er schon als Kind Gitarre und sang in der Geschwisterband The Womack Brothers. Diese wurde später von Sam Cooke entdeckt, gefördert und in The Valentinos umbenannt. Mit der Pop-Version »Lookin' for a Love« eines ursprünglich von Bobby geschriebenen Gospels hatte die Band ihren Durchbruch im R&B-Geschäft. Bobby war auch an der Entstehung eines weiteren Hits der Fünf entscheidend beteiligt: »It's All Over Now«, welches von den Rolling Stones später weltbekannt gemacht wurde.

Mit dem Tode Cookes 1964 zerbrachen The Valentinos und Bobby Womacks Solo-Karriere wurde von seiner Heirat der Cooke-Witwe Linda Campbell wenige Monate später überschattet. Vorerst widmete er sich verstärkt seiner Tätigkeit als Studiomusiker und Songwriter. Womack spielte Gitarre auf Hit-Songs wie Elvis Presleys »Suspicious Minds« oder Dusty Springfields »Son Of A Preacher Man« und auf den Albummeilensteinen Lady Soul von Aretha Franklin und There's a Riot Goin' On von Sly and the Family Stone. Eigene Produktionen Womacks lehnten diverse Plattenfirmen in dieser Zeit allerdings ab.

Fly Me To The Moon hieß dann 1968 endlich sein offizielles Debütalbum, das ironischerweise aus Coverversionen bestand, wenngleich diese durchaus nicht dem bis dato etablierten R&B-Verständnis versprachen. In dieser Zeit begann Bobby Womack auch mit dem Konsum von Kokain, zwei Jahre später erwischte ihn seine Ehefrau Barbara im Bett mit ihrer und Sam Cookes Tochter Linda. Die Ehe zerbrach.

Bis 1976 nahm der Musiker acht weitere Alben auf, darunter Communication und Understanding, sowie den Soundtrack zum Film Across 110th Street, aber auch eine Promo-Platte für die US Navy. Songs wie »That's The Way I Feel About 'Cha«, »Woman's Gotta Have It« oder eben »Across 110th Street« stammen aus dieser Zeit. Immer wieder wandte er sich – für einen R&B-Künstler ungewöhnlich – dabei auch dem Country zu.

Nachdem sein Label United Artist Bobby Womack wegen schwindender Verkäufe und dem Aufkommen von Disco fallen ließ, begannen erneut unruhige Jahre. 1978 starb sein Sohn Truth Bobby im Alter von vier Monaten. Womack sah auch seine Abhängigkeit als eine der Ursachen.

Mit den beiden The Poet-Alben 1981 und 1984 und Liedern wie »Just My Imagination« leitete Bobby Womack dann seine kommerzielle wie kreative Wiedergeburt als Soul-Sänger ein. Erneut waren ihm anschließend Drogenprobleme im Weg. Doch bis 2000 nahm er weiterhin LPs auf. Eine zehnjährige Abwesenheit folgte, die erst Damon Albarn durchbrechen konnte: Der Gorillaz-Kopf gewann Womack für einen Gastauftritt im Song »Stylo«.

Mit The Bravest Man In The Universe war Bobby Womack seit 2012 auf Tour, spielte etwa im letzten Jahr beim Roskilde Festival in Dänemark. Er, bei dem sich in den letzten Lebensjahren neben Diabetes und Darmkrebs auch Alzheimer ausgebildet hatte, wirkte damals bereits deutlich angeschlagen, einen großen Teil des Konzerts verbrachte er im Sitzen. Seine Stimme allerdings war so vital wie eh und je und trug den Zuhörern seine Freude wie sein Leid in jede Körperfaser.

Aktuell arbeitete Bobby Womack an einem neuen Album, The Best Is Yet to Come. Zehn Titel waren bereits aufgenommen, zu den Gästen zählen Stevie Wonder und Snoop Dogg. Angesichts all der großen Songs, die uns Bobby Womack bereits gesungen und hinterlassen hat, erscheint der Albumtitel wie ein kaum einlösbares Versprechen.