Bob Dylan erhält Literaturnobelpreis 2016

Handfeste Überraschung aus Stockholm: Bob Dylan gewinnt den Nobelpreis für Literatur. Dylan werde für »seine poetischen Neuschaffungen in der großen amerikanischen Gesangstradition« geehrt, heißt es in einer Stellungnahme des Nobelpreiskommitees. Er ist der erste Songwriter, der den renommierten Literaturpreis erhält.

Es schien lange absehbar und doch nie wirklich wahrscheinlich. So wenig, dass jedes Jahr zur Nobelpreissaison der Satz »Diesmal wird’s Dylan« unter Beobachtern zum running gag wurde. Man kenne ja die Institution, die unter dem Namen des Stifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel seit nunmehr 115 Jahren vergeben wird. Und die sei eines ganz sicher nicht: progressiv in Literaturfragen.

Nun ist es jedoch amtlich. Wie die Nobelstiftung heute bekannt gab, gewinnt Bob Dylan den diesjährigen Nobelpreis für Literatur erhalten. Ob das nun für die als altbacken verschriene Jury spricht, ob einfach dafür, dass Dylan längst zur musikalischen Grunddiät des Establishment gehört, bleibt offen. Dylan werde für »seine poetischen Neuschaffungen in der großen amerikanischen Gesangstradition« geehrt, sagte Stiftungssekretärin Sara Danius und fügte hinzu, der mittlerweile 75-Jährige habe stets »Poesie für das Ohr geschrieben« – die man »auch wunderbar als Poesie lesen kann.«

Die Entscheidung ist jedenfalls richtig und wichtig. Schließlich hat Dylan in seinen über 50 Jahren als aktiver Musiker über 500 Song veröfftentlicht – und, ein Blick auf die jedes Jahr verlässlich zu Weihnachten erweiterte B-Sides-Kollektion genügt, unzählige weitere geschrieben. Die Texte seiner Songs sind dabei stets so eklektisch wie Dylan selbst. Sie vereinen Einflüsse aus Jahrtausenden der Literaturgeschichte (griechische Tragödien, die Bibel, mittelalterliche Mythik, Shakespeares Theater, die selbstzerstörerisch-romantischen französischen Avantgardisten um Arthur Rimbaud, Stéphane Mallarmé, Marceline Desbordes-Valmore oder auch Bertold Brecht) in sich und verarbeiten sie dennoch zu etwas unbedingt Genuinem. In etwa wie die Beatpoeten Jack Kerouac und Allen Ginsberg also – nur war Dylan dank seiner die Texte begleitenden Musik wesentlich populärer und damit einflussreicher.

Die mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird am 10. Dezember gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen in Stockholm verliehen.

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