Heute Abend Stream der neuen Boards of Canada-LP

Boards Of Canda

Sieben Jahre liegt die letzte Veröffentlichung von Boards Of Canada, eine EP namens Trans Canada Highway, zurück. Lediglich sieben Wochen dauert der PR-Feldzug, mit dem sie momentan auf das Erscheinen ihres neuen Albums Tomorrow’s Harvest am Freitag bei Warp vorbereiten. Diese sieben Wochen nutzen die schottischen Elektronik-Brüder Michael Sandison und Marcus Eoin allerdings für eine Geheimniskrämer- und Hinhalte-Kampagne, die dem Anlass und Image des Duos gerecht wird. Heute Abend um 22 Uhr kulminiert sie formgerecht in einem Livestream der Platte auf der Website von Boards Of Canada.

Die Gerüchte um ein neues Album wurden erstmals am 21. April befeuert: Im Zuge des Record Store Days veröffentlichten Boards Of Canada an diesem Tag zwei 12-Inch-Schallplatten, die nur wenige Sekunden Musik sowie zunächst nicht näher erklärte, von verfremdeten Stimmen aufgesagte Zahlenkombinationen enthielten. Weitere Zahlenkombinationen wurden in der darauffolgenden Woche in YouTube-Videos, Radiosendungen von NRR und BBC sowie durch einem Werbespot im Programm des US-Fernsehsenders Cartoon Network enthüllt. Aus den Zahlen setzte sich schließlich der Zugangscode zu einer passwortgeschützten Website zusammen, über die Boards Of Canada Titel und Veröffentlichungstermin ihres neuen Albums bekanntgaben.
   Der bisher einzige in voller Länge veröffentlichte Track aus Tomorrow’s Harvest heißt »Reach For The Dead«, das zugehörige Video wurde erstmals am 21. Mai auf einer Videoleinwand im Tokioter Stadtteil Shibuya gezeigt. Einige Tage später wurde »Cold Earth«, ein weiteres Stück aus dem Album, im Vorprogramm eines DJ-Sets von Squarepusher in Detroit gespielt. Am 27. Mai fand schließlich die erste offizielle Listening Party zum Werk statt – Boards Of Canada hatten abermals über kryptische Hinweise in die kalifornische Wüste eingeladen.

SPEX hat Tomorrow’s Harvest ebenfalls im Rahmen einer Listening Session bereits einmalig hören können. Die dabei gesammelten Eindrücke lassen auf das bisher düsterste und trostloseste Album von Boards Of Canada schließen. Von den organischen Einschüben und der warmen Grundstimmung, die ihre letzte Platte The Campfire Headphase (2005) mitbestimmt hatten, ist auf dem Nachfolger wenig übrig. Das 17 Tracks und 70 Minuten lange Album wechselt konzentriert entfaltete, auf Synthie-Loops und Breakbeats basierende Stücke mit Zwischenspielen ab, die an den Geduldsproben-Ambient von Stars Of The Lid erinnern. Weitere denkbare Einflüsse und Vergleichspunkte sind die Krautrock- und Moog-Verbindungen von Popol Vuh, die farblosen Soundscapes auf Vangelis’ Blade Runner-Soundtrack, das Dröhnen der Maschinen in Portisheads »Machine Gun« und die scheinbar strukturlosen Geräuschmusik-Einschübe auf dem letzten Album von The Knife.