Blumentopf

»Rap braucht kein Abitur«, sagt Bass Sultan Hengzt. Die Akademiker von Blumentopf stimmen ihm da grundsätzlich zu. Natürlich können, wollen und sollen sie ihre eigene Bildung und Sozialisation nicht über den Haufen werfen. Doch die Kardinalfrage, ob der Neo-Backpack-Rap-Entwurf der fünf Münchner Berechtigung in einer verrohten, feindseligen HipHop-Szene hat, stellt sich dennoch. Das fünfte (letzte?) Album in zehn Jahren Bandgeschichte zeigt immerhin, dass die Töpfe sich musikalisch weiterentwickelt haben, was ja per se erst mal gutgeheißen wird. »Musikmaschine« macht klar: Man ist Fan geblieben, sucht weiterhin nach dem heißen Scheiß, um sich davon inspirieren zu lassen. Da krachen Rich Harrison-mäßige Drumbreaks auf den Hörer ein, da bouncet es Detroitesque vor sich hin, da werden Frank-N-Dank gesamplet und Timbo-Percussions unter Melancho-Gitarrenloops gelegt. Ab und an driftet man dann leider doch ein wenig in jene übereklektische Ecke ab, die von einem Großteil der alternden Helden der zweiten Generation verfolgt wird, doch in die gefährliche Fettes-Brot-Falle tappt man dabei gerade nicht. Auf dem größeren Teil der 19 Stücke gibt es einfach nur geschmackvoll ausgewählte Samples, handwerklich gute Songkonzepte und intelligente, unaufgeregt vorgetragene Texte zu hören, wobei zu den Höhepunkten der exzellente Opener »Mehr«, die Skaterhymne »Die Bretter, die die Welt bedeuten« und auch der Statement-Song »Gute Musik« zählen ? inhaltlich wurde dessen Kernaussage zwar schon mal eleganter und unverkrampfter vorgetragen, was sie aber selbstverständlich nicht weniger richtig macht. Dass Blumentopf mit »Musikmaschine« das Pendel im deutschen HipHop wirklich zurückschwingen lassen, erscheint mir weder wahrscheinlich noch wünschenswert. Aber ihr Beitrag dazu, ein bislang noch nie vorhandenes Gleichgewicht herzustellen, ist ein zeitgemäßes und dennoch traditionsbewusstes Album, bei dem es unfair wäre, es nur an den größten Blockbustern der Bandgeschichte zu messen.

LABEL: Four Music

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 08.09.2006

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.