Blues Explosion

Den Umstand, dass sein eigener Name aus dem Namen seiner Band getilgt wurde, erklärt Jon Spencer mit merkwürdigem Hippie-Gefasel über Brüderlichkeit, Liebe und Solidarität. Da bekommt man es erst mal mit der Angst zu tun, mit der Verlustangst um diese tollen R&R-Images voller Spuckefäden, rallyeflammender Gefühlsattrappen und urbanisierter Blues-Klischees. Die Furcht erweist sich als nicht ganz unbegründet: Das Korsett des Konventionelleren, in das die Blues Explosion ihre Stücke schon auf »Plastic Fang« steckte, wird auf »Damage« in vielen Momenten noch ein wenig enger geschnürt.

    Die Monstrositäten der früheren Alben bekommen weniger Luft zum Atmen und geringeren Raum, um sich in schicke Posen zu werfen. Genau das, was die Rock&Roll-Puristen wohl am allermeisten fürchteten, ist eingetreten: Die Blues Explosion ist funky geworden – okay, ein kleines bisschen funky, nicht auf die laszive Tour, sondern auf die New Yorker Art und Weise, also die zickige und unbequeme. Für diese frostige Schicht, die das traditionell schwitzige und karge Blues Explosion-Gefühl überzieht, zeichnen übrigens zwei Gastmusiker verantwortlich, welche die tiefen Fußspuren, hinterlassen von  großartigen Chaospraktikern wie Dr. John, auszufüllen wissen.

    Zum einen ist da Chuck D, der aus »Hot Gossip« etwas macht, was wohl das letzte von jedem ordentlichen Rock-Ästheten herzblütig verachtete Genre bedient: Crossover – echt. Und schließlich erscheint jemand auf der Bildfläche, der mich wirklich auf die Knie sinken lässt: Über-NoWaver James Chance dekoriert mit seinem Saxophon-Krickelkrackel »Fed Up And Low Down«. Ich bin entzückt, aber ich habe ja auch nie darum gebeten, dass Rockmusik eine klug eingefädelte Revolution auslösen soll. Ein bisschen Sachbeschädigung am System »Rock&Roll« reicht mir schon.

LABEL: Mute Records

VERTRIEB: EMI

VÖ: 27.09.2004

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