Blonde Redhead 23

Entrückte Musik. Schlierig, verstörend, kreisend. In etwa das, was auch schon vor fünfzehn Jahren reihenweise auf 4AD und dem seligen Label Creation erschienen ist. Eine Musik also zwischen den Heart Throbs, Adorable, My Bloody Valentine und Lush. Blonde Redhead aus New York, die in Steve Shelley von Sonic Youth ihren ersten Produzenten fanden und mit dem Vorgänger »Misery is a Butterfly« endlich ihren ersten größeren Erfolg schafften, gibt es mittlerweile auch schon wieder vierzehn Jahre. Über diverse Pfade, die No Wave oder Nouvelle Chanson hießen, hat das Trio jetzt zu der Musik zurückgefunden, die ihr Anfang war und ihres Labels zweite große Blüte bedeuteten.

»23« ist eine so gute Platte, weil sie es immer rechtzeitig schafft, sich aus der selbst ausgebreiteten Langeweile zu erheben: Ist man dem Säuselgesang von Kazu Makino nach drei Nummern überdrüssig, stellt sich Amedeo Pace ans Mikro. Glaubt man, genügend bunte Gitarrenschrankwände in seinen sozialen Raum gestellt zu sehen, rücken in »SW« plötzlich breite »Sgt. Pepper«-Bläser an. Denkt man, Paces Stimme könnte eine Spur dicker sein, kommt wieder Makino um, das einschmeichelndste Stück der Platte – »Silently« – zu singen. Danach geht es zugegebenermaßen leicht bergab.

Bleibt die Frage, warum diese verloren geglaubte Art Musik derart überzeugen kann. Weil es zu wenig verzückende, berauschende Momente im Leben gibt? Weil Betörung ein guter Drogenersatz ist? Weil ein gutes Drittel des Lebens im Schlaf erledigt wird? Oder weil Blonde Redhead nach all der Wehmut auf See zurück an den Stadtstrand am Stadtrand gefunden haben, um ein paar Filme (»Dr. Strangelove« zum Beispiel) zu zeigen. Wortfilme. Mit Rauschmusik.

LABEL: 4AD / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 13.04.2007

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