Bloc Party ohne Kele?

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   »Kinder, Kinder!«, stößt es aus uns hervor. Anscheinend ist es ein neuer »Trend« im Musikgeschäft geworden, einfach nicht mehr miteinander zu reden. Die Anführungszeichen haben Hochkonjunktur. Tim Goldsworthy etwa »verließ« ja DFA Records mit einem gegenüber seinen Labelpartnern unerwähnten Umzug gen Europa, weil er das »Gefühl« hatte, ohnehin nicht mehr zum Label zu gehören. Nun soll KELE OKEREKE nicht mehr Teil von BLOC PARTY sein. Und der Hintergrund wirkt gehörig absurd. Diesmal sind die Egos wohl zu klein. UPDATE: Es gibt ein Dementi von Bandseite – siehe unten.

   Am letzten Dienstag zitierte die Webseite des britischen NME Okereke mit folgender Anekdote:

I was actually having lunch about three weeks ago, just here on 8th Avenue and I saw somebody walk past and I recognised the haircut. […] It was Russell. I was like, 'Hey!' but he didn't see me and I followed him around the corner and then I saw Matt, Gordon and Russell all standing outside this rehearsal space. They all went inside.

   Und statt zumindest an der Tür zu klopfen oder zum Handy zu greifen, eben den direkten Kontakt zu seinen »Bandmitgliedern« zu suchen, die wiederum nun scheinbar aktiv nach Ersatz Ausschau halten, wendet sich der schüchterne Sänger an das Magazin:

I hope I haven't been fired. I don't really know what's going on, because we haven't really spoken recently and I'm a bit too scared to ask.

    Eigentlich waren ja eben für den Spätsommer neue Aufnahmen angedacht. Da hatten aber sowohl der hoffnungsvolle Gitarrist Russell Lissack als auch Okereke aneinander vorbei kommuniziert. Von ersterem war nun heute im selben Magazinen zu lesen, dass es zwar keinerlei Feindschaft zwischen den Beteiligten gäbe, man aber seit Monaten nicht mehr miteinander gesprochen habe und deshalb folgendes quasi ein offenes Geheimnis sei:

Kele's been pretty busy doing solo stuff and it looks like he's going to be doing that a bit longer. The other three of us wanted to meet up and make music. We were talking about just doing an instrumental thing, but now we might get a singer as well, to properly put some music out and play some shows.

   Das die zu veröffentlichende Musik als Bloc Party oder eben unter einem anderen Namen erscheinen würde, war somit noch gar nicht gesagt. Es könnte sich auch um ein Nebenprojekt handeln. Nur war die Eigendynamik der Geschichte längst entfaltet und Okereke schrieb auf seinem eigenen Blog, nicht ohne völlig abwesendes Bewusstsein für die Tragikkomik der Situation, um nicht zu sagen: zynisch:

hmm, i dont know what to make of this. a big part of me is laughing HARD at all of this but another part of me is all like WTF? im quite curious as to what a bloc party audition would be like? i wonder if they would let me sit on the panel so i could be a judge tyra banks style?

   So weit, so schlecht. Wir fühlen uns an deutsche Koalitionspolitik erinnert, wo ja auch oft gerne über die Medien, statt miteinander, kommuniziert wird. Oder an The Libertines. Mit etwas Misstrauen liegt aber auch ein kleines Manöver nahe. Ein anvisierter Mediencoup? Der NME ist ohnehin »anfällig« für so etwas. Kele veröffentlicht nämlich im November seine neue EP The Hunter mit dem in diesem Fall programmatisch betiteltem Stück What Did I Do (Video unten). Die könnte noch etwas Aufmerksamkeit gebrochen.

   Auf just schwerlich zu erreichenden Bloc-Party-Webseite heißt es jetzt nur nebulös: »Bloc Party is still Bloc Party.« Hier sind tatsächlich echte Kommunikationstalente am Werk. Wir hoffen auf eine Aussprache oder zumindest gründliche Erklärung.

   UPDATE: Klarheit verschafft ein Cartoon, das laut Pitchfork die Nachricht auf der (für uns nicht erreichbaren) Bloc-Party-Seite begleitete. In Simpsons-Manier sollen alle vier Bandmitglieder gemeinsam darauf zu sehen sein. Es handelt sich wohl um dieses Bild. Warum es erst dazu kommen musste, bleibt unverständlich. Mit großem Dank an den @bjoernstar für den Hinweis!

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VIDEO: Kele ft. Lucy Taylor What Did I Do

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