Amtlicher Rock von Typen in schwarzen Lederjacken ist primitiver Blödsinn, der mich persönlich natürlich immer wieder schwer begeistert. Wenn die Typen in den Lederjacken jung sind und sich verdammt noch mal auch so anhören. Letzteres ist auf BRMCs letztem, dem klassisch schwierigen zweiten Album, leider so richtig danebengegangen. »Take Them On, On Your Own« mag von den NME-Schreibern für ein Meisterwerk des Protestrocks gehalten werden, für mich war es eine Zumutung: BRMC waren über Nacht zu alten Herren geworden, deren breitbeinig tatternden Spuren ich nicht mehr folgen mochte, egal wie prall ihre Taschen angeblich mit interessanten Halluzinogenen gefüllt sein mochten.
Nach Labelverlust, personellem Zerwürfnis und den üblichen Rock'n'Roll-Lifestyle-Problemen hat die Urbesetzung »Howl« fabriziert und bügelt einige Missverständnisse aus – ich mag es nicht Fehler nennen -, die Album Nr. 2 aufbrachte. Dass es für die Rückkehr zu dem aufmüpfigen und Rotz kotzenden Debüt zu spät ist, offenbart sich als Bandkonsens in einer aufmerksamen Gelassenheit, die die trantütige Behäbigkeit von »Take It On …« endlich vertreibt. Ein bisschen abgeliebt klingt das, was auf »Howl« zu hören ist, zwar noch immer, aber beim Zuhören kommt auch das Gefühl auf, einer Band zu lauschen, die mit sympathischem Erstaunen ihre eigenen Möglichkeiten entdeckt. Dass Soundflächen sich nicht nur mit herkömmlich umherwabernden Gitarren erzeugen lassen, sondern mit Gesangsharmonien, dass Ruhe weniger mit Geschwindigkeit zu tun hat, sondern mit dem Tonfall der Vertrautheit, sind einige der Erkenntnisse, die sich auf »Howl« manifestieren.
    Die Solidität der Slide-Gitarren und Mundharmonika-Parts, der überdeutlichen Americana-Stimmung und der akustischen Instrumentierung findet abseits des Spektakulären statt. Am Ende ist »Howl« die wohl bestmögliche Erinnerung daran, dass BRMC mal hätten wirklich toll werden können.

LABEL: Echo / PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 26.08.2005