Black Mountain »IV« / Review

Wenn es um ausufernden Progressive Rock geht, macht niemand Black Mountain so schnell etwas vor. Leider bleibt die kanadische Band nicht bei ihrer Kernkompetenz.

Sechs Jahre ist es her, dass die Band, deren Aufgabe es bisher zu sein schien, den Sound der Sechziger- und Siebzigerjahre wieder aufleben zu lassen, ihr letztes reguläres Album herausbrachte. Mastermind Stephen McBean ist in der Zwischenzeit leicht ergraut, wie uns das Video zu »Mothers Of The Sun« zeigt. Damit passt er als schwarz bekutteter Gitarren-Halbgott auch perfekt in das Setting des über achtminütigen Prog-Trips inklusive endlosen Gängen voller Türen und psychedelisch-wabernd ausgeleuchteten Höhlen. Der Song ist ein Monster, erschaffen aus klassischen Progressive-Elementen à la Pink Floyd in ihrer nicht-mehr-Syd-Barrett- und noch-nicht-Superstars-Phase und harten Gitarrenriffs, die man in den Siebzigern Hardrock, in den Neunzigern Stoner genannt hätte. Laut Synthesizer-Guru Jeremy Schmidt hat man auch sehr lange an dem Stück gefeilt.

Insgesamt werden Black Mountain wohl am ganzen Album lange gefeilt haben. Denn alles klingt gut durcharrangiert und durchdacht. Leider an einigen Stellen auch zu durcharrangiert und durchdacht. Es fehlen schon des Öfteren die Ecken und Kanten, durch die sich solche Alben im Hirn verkeilen.

Alben mit überlangen Einleitungs- und Ausklangstücken haben in diesem Genre ja ihre berechtigte Tradition. Doch sollte sich im besten Falle auch alles dazwischen in diese Klammer einfügen.

Das Schlussstück »Space To Bakersfield« ist noch mal so ein Prog-Brocken, und Alben mit überlangen Einleitungs- und Ausklangsstücken haben in diesem Genre ja auch ihre berechtigte Tradition. Doch sollte sich im besten Falle auch alles dazwischen in diese Klammer einfügen. Stattdessen wird hier mal das eine, mal das andere Genre bedient. Es scheint so, als hätte die Band aus Vancouver jedes Mitglied zwei Bands losen lassen, deren Stil man dann mal nachahmt. Das geht diesmal weit über den Sixties- und Seventies-Rahmen hinaus und klingt im besten Fall nach Pschedelic-Folk (»Line Them All Up«) oder überraschenderweise wie ein Smashing-Pumpkins-Outtake aus den Neunzigern, bei dem Billy Corgan mal kurz nicht im Proberaum war (»Cemetery Breeding«).

Im schlimmsten Fall aber kommen dabei Sachen heraus wie die nervige Indie-Rock-Nummer »Florian Saucer Attack«. Oder »Defector«: Viele gut gemeinte Ideen, die aber schon beim ersten Hören das Gefühl vermitteln, man hätte das so oder so ähnlich schon tausend mal gehört. Das ist schade, denn in ihrer Kernkompetenz des bekifften Space-Prog macht Black Mountain so schnell niemand etwas vor.

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