Black Dice Mr Impossible

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Ribbon / Domino — 06.04.12

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Im hoch gelegenen Feriendorf, umzingelt von Alpenglühen, geriet Mr Impossible dem Rezensenten zur Untermalung eines Balkonnickerchens und zeitigte Träume, in denen bald eklig grunzende Mammut-Außerirdische die seit Äonen unverändert in den Himmel ragenden Viertausender zertrümmerten, bald ungehobelte Sennen gegen die Berghüttentür bollerten und irgendwas wollten. Kein Wunder, denn beim wiederholten, diesmal wachen Durchhören des Werkes stach so manches Geboller heraus. Und eben allerhand Geräusche, deren Ursprung wohl männlicher Gesang oder irgendein Keyboard war, die aber unter Verwendung zahlreicher Klangverfremdungsapparate sowohl an animalisches Rebellieren auf einer Schweinefarm als auch an einen Dialog zwischen zwei großen, unappetitlichen Bewohnern eines fernen Himmelskörpers erinnerten.

   Ein erbauliches Album also! Und musikalisch so schön zurückgeblieben! Schließlich liegen die Wurzeln von Black Dice im Punk! Seit etwa 15 Jahren liefern sie mehr oder weniger krachige und mehr oder weniger traditionell instrumentierte Spielarten dieses Fundaments. Im Falle von Mr Impossible, ihrem sechsten Album, bedeutet dies weniger Krach als vielmehr imposante Geräuschhuberei sowie weniger Bassgitarre und Schlagzeug als vielmehr, so vermutet man, total verrückte Software und wunderliche Vintage-Kisten mit Reglern dran.

   Dennoch dienen Black Dice auf Mr Impossible als Grundlage simple, variationslose Rhythmen und über lange Strecken immer gleichartige Loops. Das nervt zwar gelegentlich, zumal die darübergelegte Geräuschvielfalt und deren lustvolle Zerknautschung eben gerade alles andere als primitiv ist und sich durchaus detailliert fortentwickelt, sodass man sich auch für die musikalische Grundlage eine ähnliche Entwicklungsfreude wünschte. Andererseits bewahrt das beharrliche Bumm-Tschack Black Dice davor, zum unsympathischen Progrockmonster zu verkommen.

   Also kann man sich ganz darauf konzentrieren, wie hübsch all die verzerrt grunzenden, jaulenden und blubbernden Miniriffs und Geräuschflecken geschichtet sind. Sollten einige der Leser Kinder im frühen Fernsehalter sein oder regelmäßigen Kontakt zu solchen haben, wissen sie, dass Erwachsene das Mit-dem-Kind-Fernsehen oft stärker anstrengt als das Mit-dem-Kind-Herumtollen, da Ton und Schnitt von Kleinkindersendungen heutzutage einen unbezähmbaren Drang zum Hyperaktiven haben. Diese Sendungen werden gewiss von Menschen produziert, die in den neunziger Jahren neben dem Studium der Medienwissenschaften oder der Visuellen Kommunikation in aufreibenden Elektronikmusikprojekten vor sich hinloopten und friemelten. Jener Neunziger-Ästhetik sind auch Black Dice verpflichtet. Man fühlt sich wohlig an Mouse On Mars und Add N To (X) erinnert und dankt Black Dice die Anhebung jener Musikebene in die Sphären von Schweinerock und Monsterpunk. Und bollernden Sennen.

   Das neue, von Black Dice selbst erstellte Video zum Albumstück Rodriguez gibt es nachfolgend zu sehen.

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Black Dice live:
11.09. Berlin — Festsaal Kreuzberg

30.09. Wien — Arena

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