Black Bananas Electric Brick Wall

Möglicherweise war Jennifer Herrema, eine Hälfte der verblichenen Blues-Trash-Rocker Royal Trux, es leid, als Mitglied der »letzten Hair-Metal-Band dieser Welt« bezeichnet zu werden. Vielleicht hat sie sich, die außerdem als Produzentin, Journalistin, Model, Modedesignerin und Parfümkreateurin aktiv ist, auch gelangweilt. Denn was sie und ihre Band auf dem zweiten Black-Bananas-Werk bieten, ist eine pralle Wundertüte aus Geniestreichen, Tüftelei und Hits. Kam der Erstling Rad Times Xpress IV im Jahr 2012 etwas poliert daher, klingen die elf Stücke auf Electric Brick Wall rotzfrisch, frei und crazy. Trashig auch, klar, aber das passt der stets entspannten Frau Herrema so gut wie ihre engen Jeans, die sie schon lange vor Heroin-Chic trug.

Crazy? Nun, wie Songs halt klingen, wenn sie mit Gitarrensimulatoren, Autotune und Synthiewänden verfremdet werden. Der Opener »Powder 8 Eeeeeeeeight« atmet schlonziges Midtempo, das prima zu einem Slow-Mo-Surf-Video passen würde, wenn da nicht ein Synthie à la Koyaanisqatsi durchdrehen würde. »Dope On An Island« gemahnt an Prince, garniert mit Grunge. Nach »Hey Rockin’«, einem Standard-Rockriff-Dings, ertönt der erste Hit: »Physical Emotions«. Der klingt wie Pharrell Williams mit abermals Prince und Daft Punk in die Waschmaschine gesteckt und zu heiß durchgeschleudert, langsam, aber um nichts weniger sexy; selbst der leiernde Herrema-Gesang kann dem Feeling nix. Es duftet nach Sommer, Kokosmilch mit Schnaps und Kräuterzigaretten. Wunderbar.

Apropos Geniestreiche: An »Eve’s Child«, dem sechsten Stück, kann man sich nicht satt hören. Der Song klingt manchmal wie MGMT, mit denen Jennifer Herrema bereits gearbeitet hat, und entfaltet einen verspielten Sog. Es scheint sich um ein Tribut an eine Freundin zu handeln: »My best friend is a goner / She can’t come back if she wanna.« Herrema jedoch, unsere Freundin, wird immer wiederkommen – und sie wird ihre Songs auch immer mit crediblen Gitarrensoli veredeln lassen; angeblich ist sogar die zweite Hälfte von Royal Trux, Ex-Freund Neil Hagerty, bei zwei Stücken an der Gitarre mit dabei, nur wo, das wird nicht verraten. Ist auch nicht schlimm. Aber Hair Metal ist damit wohl (vorläufig?) durch.

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