Björks zartes Mondgeheul

bjork-moon

    Leider doch erst am Freitag, dem 7. Oktober, wird BJÖRKs neues Album Biophilia nicht nur als App, sondern auch auf herkömmlichen Tonträgern erscheinen.1 Das Video zum Eröffnungsstück Moon gibt es aber schon jetzt zu sehen. Geschrieben von der isländischen Sängerin und ihrem Langzeitkreativpartner Damian Taylor, der u.a. auf der Tour zum letzten Album Volta das Instrument Reactable bediente, ist das Lied ein hervorragendes Beispiel für die Verquickung von großer Konzeption und minimalem Sound auf Biophilia. So verhandeln Zeilen wie: »Best way to start-a-new / is to fail miserably.«, die Themen Wiedergeburt und mathematische Ableitungen aus Mondzyklen. Dazu gibt es ein kanonisches Wechselspiel zwischen Björk und ihrem Chor, unterlegt von Bässen aus den Händen von Pablo Díaz-Reixa alias El Guincho und begleitet von einer weiteren alten Vespertine-Bekannten, der Rock- und Jazzmusikerin Zeena Parkins, an der Harfe. Alle Teile fügen sich jedoch ganz zart zusammen.

   Wo das Björk-Team an anderen Stellen von Biophilia so neuartige, zum Teil eigens kreierte Instrumente wie das Sharpsichord oder Gameleste einsetzt, fällt Moon also im Vergleich bescheiden aus. Wenigstens Parkins' Harfe erlebt im Video eine kreative Inkarnation: Björk selbst spielt sie in einer Art Bauchbindenvariante. Erneut trägt sie dabei jene wuchernde rote Perücke, mit der sie auch schon im ersten Biophilia-Video, Michael Gondrys Crystalline, und auf dem Plattencover zu sehen ist. Kaum merklich zoomt die Kamera über das ganze Stück hinweg auf die zuckende Sängerin zu, überlagert von einem beständig ab- und zunehmenden Mond (der zuvor auch schon in Crystalline auftauchte) und Sternzeichen aus der Feder von James Merry. Gen Ende hält sie statt Mondgestein Korallen in ihren Händen.

   Das Video bietet so keine bloße Untermalung und Ablenkung für bzw. von Moon, sondern verstärkt dessen Wirkung eher durch Reduktion. Was im Ergebnis noch überraschender ist als der musikalische Effekt, wurde hier doch erneut, nach der gemeinsamen Arbeit für Hidden Place anno 2001, das Videokünstler- und Modefotografenduo Inez Van Lamsweerde und Vinoodh Matadin einbezogen, welches zuletzt u.a. für Lady Gaga, YSL und die französische Vogue tätig war. Andererseits, auch Hidden Places war ein eher minimalistisches Video, in dem einzig Björks Gesicht zu sehen war, durch das bunte Flüßigkeit wanderte.

   1UPDATE: Natürlich ist es nicht ganz uninteressant, warum sich die Veröffentlichung verschiebt. In einem Statement auf ihrer Webseite erklärt Björk den Schritt mit unterschiedlichen Voraussetzungen bzw. einem »different kinda growth potential« zwischen der App- und der CD-Version des Albums. Nachdem sie Biophilia an mehreren Terminen in Manchester uraufgeführt hatte, wurden der CD-Version Livetonspuren sowie ein kompletter Song hinzugefügt bzw. dieser durch seine Liveaufnahme ersetzt. Darüber hinaus konnten sich noch quasi last-minute die iranische Musikerin Leila Arab aus London, die bereits seit den frühen Neunzigern gelegentlich mit Björk zusammenarbeitet, und der von Arab ins Spiel gebrachte DnB-Prodzent Tim Eliot alias Current Value in die finale Version einbringen. Björks Fazit: »[I] am really happy i did this , seems like biophilia the album has a body[.]«

*

VIDEO: Björk Moon

2 KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.