Foto: Stephano Zanzin

Also kommt mit dem demographischen Wandel auch ein progressiveres Weltbild?
Definitiv, und es ist nicht so, als würde das nicht schon passieren, auch wenn es sehr träge und langwierig ist. Das ist aber nicht alles! Die rechten Populisten haben auch aus einem ganz anderen Grund auf lange Sicht keine Perspektive. Ich sehe diese nationalistischen Führer wie einen Mann, der seine Frau und seine Kinder in einem Haus festhält, als Geiseln. Wir stehen draußen und wissen, dass das Leben dieses Mannes nie mehr so sein wird wie zuvor. Entweder geht er ins Gefängnis, oder er tötet seine Frau, seine Kinder, dann sich selbst und brennt die ganze Hütte ab.

Der Mann ist der rechte Flügel und die Familie der Staat und die Gesellschaft?
Ja, wissen Sie, was ich meine? Seine Zeit ist vorbei. Was auch immer du als nächstes machst, Trump, ob du einen Atomkrieg anzettelst, wie viele Leute du auch immer mit ins Verderben ziehst – deine Zeit und die Zeit deiner politischen Weltanschauung sind vorbei!

Ist Trump zu extrem, um irgendeine Perspektive mitzubringen?
Er unterdrückt den Gerichtshof, verabschiedet Gesetze, die gegen die menschliche Vernunft verstoßen. Sogar seine Unterstützer sollten langsam merken, dass er ihnen nichts bringt. Quantitativ lässt sein support enorm nach, dafür werden diejenigen, die ihn unterstützen, immer lauter und extremer. Am Ende wird er für eine Minderheit regieren, und das geht nie gut aus. Was ist dann der Unterschied zu einer Diktatur? Ich kapier‘ es nicht. Sieht aus wie Scheiße, riecht wie Scheiße, ist Scheiße. Wenn ein Mann in einem Helikopter über London fliegt, sich da hinstellt, aufgeblasen wie ein Diktator, dann ist er auch einer. Es war ein Riesenfehler von ihm, nach Europa zu reisen und so einen Scheiß durchzuziehen. Dafür haben wir hier zu viel erlebt.

„Kunst ist immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und die Gesellschaft durchlebt gerade einen Alptraum.“

Schafft diese Unruhe den Sprung in die Musik?
Klar, und weil es mittlerweile so extrem ist, sogar in die Popmusik. Sogar Sänger wie John Legend, die reich sind und eine wunderschöne Frau haben, sprechen sich dagegen aus. Es wird zu viel. Die Kunst ist immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und die Gesellschaft durchlebt gerade einen Alptraum.

Trotzdem klingt die Musik entweder uniform oder erzwungen nonkonform.
Jedes Genre braucht ein bisschen Pop, die Leute möchten singen und tanzen – ist ja auch vernünftig so. Erzwungene Individualität ist so ein Berlin-Ding. Berlin hat den Ruf einer nonkonformen Stadt und deswegen macht’s hier auch jeder so. Manche werden immer Nachahmer sein. Aber solang sie was nachahmen, was ehrlich und gut ist, bringt das die Gesellschaft auch weiter.

Sie ahmen nicht nach. Ihre Soundauswahl wirkt sehr individuell.
Wenn im Studio jemand schon im Vorhinein planen möchte, was aus einem Song wird, schmeiße ich ihn raus, da kann man mich leicht abfucken. Natürlich habe ich auch mal Bock darauf, einen poppigen Rap- oder R’n’B-Track zu machen, aber eine Strategie oder einen Plan gibt es nicht. Im Pop herrscht so ein zynisches Kalkül. Die bilden sich dann etwas darauf ein, herausgefunden zu haben, wie man betrunkene Leute zum Tanzen bringt. Glückwunsch! Wenn man für so einen Scheiß Musik macht, kann man auch gleich Kapitalismus auf’s Label drucken – dann gehts nur noch um Geld.