Birdy Nam Nam

Dumme Sache: Jetzt müssen diese vier armen Franzosen doch glatt herhalten für ein paar grundsätzliche Überlegungen zum Thema Turntablism, einer Ausformung der vierten Hiphop-Säule, die sich in den letzten zehn Jahren von einer beliebten Jungssportart zu einem Randphänomen entwickelt hat, dem eigentlich nur noch die allerhärtesten Vollnerds etwas abgewinnen können. Mitgehangen, mitgefangen. Dabei können Birdy Nam Nam beileibe nichts dafür, dass Veranstaltungen wie die alljährlichen ITF- und DMC-Meisterschaften inzwischen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Im Gegenteil gehören sie zu jenen raren Vertretern ihres Genres, die sich stets für eine Öffnung der Szene in Richtung Musikalität aussprachen und die Zurschaustellung ihrer technischen Fertigkeiten stets dem klanglichen Endergebnis unterordneten. Dennoch muss man nach der Einnahme der zwölf Technics-Ouvertüren in 1210-Moll auf der »Live«-CD einfach auch mal konstatieren dürfen, dass selbst die kunstvoll ausgetüfteltste Turntable-Musik keinen wie auch immer gearteten Pop-Appeal hat, so sehr man auch hin und wieder ins Staunen gerät ob der klanglichen Effekte, die die vier Plattendreher ihren Instrumenten entlocken.
    Doch Birdy Nam Nam wissen ganz genau um diesen Umstand und liefern die CD daher nur als Beiwerk zu einer Live-DVD, auf der man die Entstehung jedes einzelnen Sounds im Bild nachvollziehen kann. Diese visuelle Komponente einer durchkonzipierten Bühnenshow ist der Missing Link, der aus dem doch relativ schwerverdaulichen Sound ein auch für Nicht-DJs konsumierbares, streckenweise nahezu hypnotisches Sinneserlebnis macht. Als Bonus fährt die DVD das obligatorische »Making Of«, eine Fotogallerie sowie ein paar Trailer auf, und natürlich die erwähnte beiliegende CD, die in diesem Leben wohl nicht mehr den Weg in meinen Player finden wird – denn Turntablism ist am Ende des Tages doch mehr Handwerk als Kunst und dessen hörbarer Output keine Musik, die ich zwingend in meinem Leben brauche. Mit der DVD beweisen Birdy Nam Nam jedoch eindrucksvoll, dass Turntablism zumindest als Live-Event vor Publikum durchaus noch funktionieren kann.

LABEL: Uwe

VERTRIEB: Alive

VÖ: 18.05.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.