bill-band-photo

    Der Begriff »Supergroup« ist schwer belastet, denn nur selten liefern die damit angepriesenen – meist temporären – Zusammenschlüsse prominenter Musiker die brillianten Ergebnisse, die die Kombination ihrer Namen auf den ersten Blick verspricht. Im Fall von B.I.L.L. passt das Wort dennoch hervorragend, denn das Projekt setzt sich nicht nur aus vier legendären Protagonisten der experimentellen Popmusik zusammen, es hat mit »Spielwiese Zwei« auch ein Album aufgenommen, das dem Ruf der Teilnehmer gerecht wird. B.I.L.L. besteht aus dem undogmatischen Weltmusiker Clive Bell, dem Faust-Mitglied Jochen Irmler, dem ehemaligen Can-Drummer Jaki Liebezeit und dem Gitarristen und Keyboarder von To Rococo Rot, Robert Lippok. Zusammengefunden hat das Quartett im vergangenen Jahr für einen Auftritt bei Irmlers »Klangbad«-Festival, das gemeinsame Album entstand bei den anschließenden Jam-Sessions über den Zeitraum einer Woche hinweg im Faust-Studio am Rande der Schwäbischen Alb.

    Herausgekommen sind sieben instrumentale Stücke, die auf fast schon exemplarische Weise die Möglichkeiten der Verbindung von Elektronik und Improvisation ausloten. »Spielwiese Zwei« ist dabei alles andere als eine nostalgische Retro-Krautrock-Veranstaltung. Vielmehr greifen die Mitwirkenden auf dem Album zahlreiche Motive aus der zeitgenössischen elektronischen Musik auf und beziehen sie in ihr Repertoire ein. Am deutlichsten wird dieser Ansatz wohl bei dem Stück »The Thrower«, das nur hier schon vor der Album-Veröffentlichung im Stream zu hören ist: Die Basis bildet ein vorwärtstreibender Synthesizer-Bass-Loop, den die Mitspieler in Variationen aufgreifen und auf dessen Grundlage sie mit verschiedenen Instrumenten Schritt für Schritt ein hypnotisierendes Klangebilde aufschichten. Zusammengehalten wird das Stück – wie auch alle anderen – von Liebezeits komplexen, aber stets leichtfüßig, souverän und präzise gespielten Rhythmen. Der Horizont des Albums reicht darüber hinaus von Drone-Rock (»World War 1«) über Ambient (»Das Boot«) bis zu Jazz-Anmutungen (»Glassbamboo«). Und wenn B.I.L.L. an manchen Stellen in esoterische Gefilde abzudriften drohen, kommt meistens einer der vier mit einem überraschenden Kontrapunkt um die Ecke, der den Anflug von Kitsch umgehend wieder auflöst.


STREAM: B.I.L.L. – The Thrower

B.I.L.L. – Spielwiese Zwei

1. Glassbamboo
2. Miles 2001
3. Under Water
4. World War 1
5. Das Boot
6. The Thrower
7. Lovely Ending
 
 
 
 

LABEL: Klangbad | VERTRIEB: Broken Silence / Cargo | : 15.04.2011