Williams hat ein Händchen für Luxus-Trap, das bewies schon der Song „Move That Dope“, den er vor vier Jahren unter anderem mit Future, Pusha-T und Mike Will Made It schrieb. Für Everything Is Love gibt „Apeshit“ jedoch weniger den Sound als die Stimmung vor. Endlich herrscht Party-Time im Haushalt Knowles-Carter: Die Ehe ist gerettet, die eigene Obergeilheit wieder hergestellt. Es wird nicht mehr gekämpft, sondern geklotzt. Das geht natürlich am besten, indem man aufzählt, was man absagen kann. Beyoncé pfeift auf Spotify, Jay-Z auf den Superbowl. Man schenkt sich beinahe alles und dem Partner schon mal einen Privatjet.

Man schenkt sich beinahe alles und dem Partner schon mal einen Privatjet.

Spaß macht daran vor allem, wie Beyoncé immer mehr zur Rapperin wird. Auf Everything Is Love zitiert sie sich durch die halbe Genregeschichte und hält problemlos mit bei den Atemübungen ihres Ehemanns. Die Musik dazu überrascht abseits von „Apeshit“ nur noch ein weiteres Mal: „Heard About Us“ gehört zu einer Reihe von Royal-Family-Liedern, mit denen die Carters im Laufe des Albums nicht nur den eigenen Status, sondern auch den ihrer Nachfahren in Stein meißeln. Zugleich vermittelt der Song eine Ahnung davon, wie Beyoncé und Jay-Z als Vorzeigepaar der New Romantics geklungen hätten.

Jay-Z geht unter anderem in diesem Stück auf Gerüchte um ein uneheliches Kind ein, das er gezeugt haben soll – schließlich darf niemand vergessen, dass wir es hier mit einer Seifenoper zu tun haben. Bei aller Symbolkraft, die aus dem We-made-it-Materialismus von Everything Is Love spricht, steht und fällt das Album folglich mit einer Frage, die über das Schicksal jeder Seifenoper entscheidet: Unterhält es oder unterhält es nicht? Alle Zweifel darüber sollten spätestens dann vom Tisch sein, wenn man die sexy Zweideutigkeiten des Openers „Summer“ erst mal entschlüsselt hat.