In der vierten Ausgabe unseres Podcasts haben wir unser Aufnahmestudio in eine zünftige Kneipe verwandelt, um mit Lisa Jeschke über ihre Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen zu sprechen. Außerdem lehrt Cate Le Bon walisische Redewendungen und Mithu Sanyal kritisiert den Entwurf zum SOGISchutzG.

An dieser Stelle möchten wir eine kleine Warnung aussprechen: Bitte hört Euch diese Folge nicht an, wenn Ihr auf dem Weg zur Arbeit seid. Denn das könnte bewirken, dass Euch von unserem kleinen Trinkgelage ein bisschen übel wird und ihr aufgrund unserer Themen spontan Lust bekommt, Eurem Arbeitgeber die Kündigung vor den Latz zu knallen (Wobei, wer ist heute eigentlich noch angestellt?!). Jedenfalls: Auch wenn wir grundsätzlich jeden Widerstand gegen den neoliberalen hustle begrüßen, möchten wir vermeiden, dass Ihr vorschnelle Entscheidungen trefft. Schließlich zahlen sich Mieten und Mahlzeiten nicht von alleine. Deshalb wartet besser bis zum Feierabend, macht es Euch mit einem Gläschen bequem, oder ladet gleich Eure Freund_innen zum gemeinsamen Hören, Trinken und Pläne schmieden ein. 

Anna Fastabend, Jessica Hughes und Lisa Jeschke stellen im Spex-Podcast Nummer 4 fest, dass sie Robotermädchen sind (Bild: Redaktion).

Denn wer Lisa Jeschkes auf Revolution gebürstete Gedichte einmal gehört hat, beginnt ganz automatisch den Status Quo zu hinterfragen. Warum lassen wir uns eigentlich Tag für Tag in unseren Jobs ausbeuten, rennen danach zur Selbstoptimierung ins Fitnessstudio und versagen uns fast jeden Exzess? Wieso halten sich sexistische Strukturen dermaßen hartnäckig in der Arbeitswelt? Wie kann man jemanden wie Theresa May kritisieren, ohne dabei misogyn zu erscheinen? Warum gibt es Politiker_innen, die ihre Schwestern verraten? Wie lässt sich intersektionaler Feminismus leben, und wie Solidarität zwischen dem akademischen Prekariat, der_dem Fabrikarbeiter_in und dem_der Fahrradkurier_in bei Lieferando? Und wann in aller Welt hat endlich das letzte Stündlein des Patriarchats geschlagen und eine gerechtere Gesellschaftsordnung übernimmt?

Jeschke ist völlig klar, dass ihre Lyrik nicht die Welt verändern wird. Aber sie will einen Beitrag leisten, Teil einer sozialen Bewegung sein, die im Zusammenspiel ihrer Akteur_innen Großes bewirken kann. Doch bevor es soweit ist, muss erstmal der Jetzt-Zustand analysiert werden. Und genau das tut Jeschke. Anders als bei den meisten deutschsprachigen Gegenwartsautor_innen drehen sich ihre Texte nicht vor allem um Privates und Freizeit, sondern um miese Arbeitsbedingungen, Diskriminierung und Machtmissbrauch. Damit bewegt sich die promovierte Anglistin in einer langen literaturwissenschaftlichen Tradition. Jeschke hat einige Jahre in Großbritannien gelebt, sie hat einen guten Einblick in die unterschiedlichen Lyrikszenen und zeichnet ein erschreckend dystopisches Bild von Europa, das in ihren Augen für Frauen, queere Menschen, People of Color und Geflüchtete zunehmend lebensfeindlich wird. Dies will Jeschke verhindern und schreibt mit aller Macht dagegen an. 

Wir waren von ihrer Anthologie der Gedichte betrunkener Frauen (Hochroth, 2018) dermaßen begeistert, dass wir sie zu uns ins Podcast-Studio eingeladen haben. Bei gepanschtem Späti-Grauburgunder, Kräuterschnaps (Bullenschluck) und Bier wurde die kleine Talkrunde mit Lisa Jeschke und den beiden SPEX-Redakteurinnen Jessica Hughes und Anna Fastabend dann auch ein richtiger Stammtisch, bei dem nicht nur Lyrik rezitiert wurde (im Podcast nicht nur gelesen von Jeschke persönlich, sondern auch interpretiert von der Schauspielerin Verena Gerjets) und wir frei von der Leber weg darüber gesprochen haben, wie beschissen sich das Leben als Frau im Spätkapitalismus manchmal anfühlt. Unser Gespräch mag nicht immer so tiefgründig und durchdacht gewesen sein, wie es sein sollte (auch wegen des Bullenschlucks, puh!). Wir betrachten es als Versuch, ein Unbehagen in Worte zu fassen, für das es als Teil des Systems vielleicht gar nicht die richtigen Worte gibt. 

Schwierigkeiten sieht auch Mithu Sanyal, wenn sie in ihrer Kolumne „Word Cunt” über einen vermeintlich gut gemeinten Gesetzesentwurf zum Schutz der geschlechtlichen Identität (SOGISchutzG) nachdenkt. 

Um so mehr erheben wir das Glas und trinken auf den Widerstand! Prost, Ihr Robotermädchen aus Europa und der ganzen Welt. Und vergesst nicht diesen Podcast zu abonnieren. Alle zwei Wochen hört ihr eine neue Ausgabe, z.B. bei AppleSpotify, Deezer, Soundcloud und Mixcloud.