SPEX-Chefredakteur Torsten Groß schreibt über die Kritik in unserem Magazin an Marcus Wiebuschs »Der Tag wird kommen«.

Wenn man Scheiße gebaut hat, darf man das ruhig auch mal zugeben. Ich spreche nicht für die gesamte Redaktion, aber die Auseinandersetzung mit dem Song »Der Tag wird kommen« von Marcus Wiebusch in Spex N°352 war unter Umständen etwas wohlfeil und dem Thema nicht angemessen.

Natürlich emotionalisiert der Song ebenso wie der jetzt erschienene – großartige! – Clip zum Thema. Ja, das ist Pathos und eins-zu-eins.

Aber hey, es geht um Fußball, der vor allem was tut? Genau: emotionalisieren. Außerdem ist erstens grundsätzlich jeder Beitrag zu dieser wichtigen Debatte absolut begrüßenswert, und zweitens wird der Wiebusch-Song dem Thema insgesamt gerecht. Das deuteten bereits zahlreiche Leserbriefe von lesbisch-schwulen-Fan-Gruppierungen an, die uns im Nachgang der Textkritik erreichten – und die unseren Umgang mit dem Thema zu Recht nicht nachvollziehen konnten.

Wie gesagt, ich spreche nur für mich, der Song war in der Redaktion heftig umstritten und es wurde lange darüber diskutiert. Aber nach aktueller Lage empfinde ich es als falsch, dass ausgerechnet ein emanzipatorisches, linkes Magazin wie SPEX dem Thema nicht angemessener begegnet ist.

Als kleine »Wiedergutmachung« hier noch mal der wunderbare, durch Crowdfunding finanzierte Clip von Marcus Wiebusch zu »Der Tag wird kommen«. Ein wichtiger Beitrag, der ab sofort vor jedem Ligaspiel laufen sollte, bis endlich auch dem Letzten klar wird, dass Sex Privatsache ist und homophobes Gedankengut in den Stadien und sonst wo ebenso wenig zu suchen hat, wie rassistisches.

Torsten Groß