Benjy Ferree

Wenn das heimelige Nest im US-Bundesstaat Maryland seit frühester Kindheit Kirchenlieder bereit hält und man sich obendrein noch von einschlägigen Washingtoner Hardcore-Bands beeinflusst sieht, welche Musik wird dann den Soundtrack geben, zu dem man sein Bündel packt? Im Falle von Benjy Ferree, erfolgloser Schauspieler und Theaterregisseur, ist es eine schwer zu benennende Mischung aus upliftendem Kammer-Folk, ironischen Vaudeville-Anleihen und ein bisschen D.C.-Rock.
    Bisweilen zieht auch eine wehmütige Violine oder ein Cello durch diecountryfizierten Songs, so wie in »Private Honeymoon«, das mich an die burleskeren Stücke von Steve Harley erinnert, auch weil Ferree manchmal einen ähnlich nasalen Gesangsstil pflegt. Dieser burleske Charme legt sich wie eine Schutzschicht auf die ganze Platte, so als würde sie Ferree davor bewahren, zu viel von sich preiszugeben, oder vielmehr davor, dass das Preiszugebende zu schwer auf ihn zurückfällt. Trotzdem haben seine Songs einen straighten Sog an sich, wollen nach vorne ziehen, so wie es der Albumtitel ja auch andeutet. Dennis Kane und Fugazis Brendan Canty als Produzenten werden daran sicher ihren Anteil gehabt haben, auch wenn »Leaving The Nest« nur einmal (auf »Dogkillers«) musikalisch in die Nähe von D.C.-Punk kommt. Das ist eben die Kunst: eine bestimmte Energie in andere Genres zu transformieren bzw. die in ihnen vorhandene Energie zum Scheinen zu bringen. Und in Benjy Ferrees Songs ist einiges an glänzendem Potenzial vorhanden. Bin gespannt, wohin er sich auf den nächsten Alben bewegen wird.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 02.02.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.